Subject: Envelope-Adressen Man kann E-Mail-Probleme nicht diagnostizieren oder verstehen, wenn man das Konzept der Envelope-Adressen nicht kennt. Darum erkläre ich es an dieser Stelle. E-Mail ist stark an das Format von (Geschäfts)briefen oder Firmenmnemos angelehnt, wie sich schon an den typischen Headerfeldern zeigt: Absender (From), Empfänger (To), Betreff (Subject), Durchschlag (Cc, von "carbon copy"), usw. Die Analogie geht aber noch weiter. Wie ein Postbrief hat auch eine E-Mail-Nachricht einen Umschlag (Envelope) und einen eigent- lichen Brief mit Kopf (Header) und Text (Body). Bei einem Brief stehen Absender und Empfänger sowohl auf dem Umschlag als auch im Briefkopf. Wichtig dabei: Für die Beförderung durch die Post sind ausschließlich die Adressen auf dem Umschlag ausschlaggebend, sowohl für die vorgesehene Zustellung als auch für ein Zurückschicken, wenn der Brief nicht zustellbar sein sollte. Meistens sind die Adressen außen und innen die selben, aber das muß nicht so sein. Beispiele, für völlig normale Fälle, wo dem nicht so ist: - Ein Vereinsvorstand lädt seine Mitglieder zur Jahreshauptversammlung ein. An alle Mitglieder wird der gleiche Text verschickt. Im Briefkopf identifiziert sich der Verein, als Empfänger wird ein allgemeines "Die Mitglieder des Soundso e.V." angegeben. Damit der Brief zugestellt werden kann, muß er in einen Umschlag gesteckt werden. Darauf kommt wieder der Verein als Absender, als Empfänger muß jetzt aber ein bestimmtes Mitglied angegeben werden. - Jörg hat mir einen Brief geschickt. Ich möchte diesen Brief, nachdem ich ihn gelesen habe, an Ansgar weiterleiten. Im Briefkopf stehen weiterhin Jörg als Absender und ich als Empfänger. Auf den Umschlag schreibe ich jetzt aber mich als Absender und Ansgar als Empfänger, und entsprechend wird der Brief auch zugestellt. Die Envelope- und Header-Adressen bei E-Mail sind nichts anderes als Umschlag- und Kopf-Adressen eines konventionellen Briefs. Zur Zustellung werden ausschließlich die Envelope-Adressen ausgewertet, die Header- Adressen dienen zur Information des Empfängers. Wer in RFC822 (STD11), der grundlegenden Spezifikation für E-Mail im Internet, nachschaut, wird feststellen, daß dort nur das Format des eigentlichen "Briefs" beschrieben ist, insbesondere der Header, nicht aber der Envelope. Tatsächlich ist dieser vom Transportverfahren abhängig. Bei SMTP (Simple Mail Transfer Protocol, RFC821, STD10), dem im Internet üblichen Verfahren zur Übertragung von E-Mail, sieht das z.B. leicht vereinfacht so aus: Donald Duck möchte seinem Freund Mickey Mouse eine Mitteilung zukommen lassen. MAIL FROM: RCPT TO: DATA From: Donald Duck To: mickey@mouse.com (Mickey Mouse) Subject: Quak! [... weitere Header-Felder...] [... Body...] . Dabei sind MAIL FROM:<...> und RCPT TO:<...> die Envelope-Adressen, alles zwischen DATA und dem einsamen Punkt ist der eigentliche Brief mit Header und Body. Zur Zustellung wird ausschließlich die Adresse aus RCPT TO:<...> verwendet. Kann die Nachricht nicht zugestellt werden, so wird eine entsprechende Fehlermeldung an die Adresse aus MAIL FROM:<...> zurückgeschickt. Eine Besonderheit ist ein Absender der Art MAIL FROM:<>, also eine leere Envelope-Adresse. Diese ist natürlich nicht rückadressierbar. Normaler- weise werden solche Envelope-Absender eingesetzt, wenn die verschickte Nachricht selbst eine automatische Benachrichtung über einen Fehler ist (sog. "Bounce", von "to bounce", dopsen), um zu verhindern, daß sich im schlimmsten Fall zwei Automaten endlos mit gegenseitigen Unzustellbar- keitsmeldungen bewerfen. Normalerweise wird "der Brief aus dem Umschlag" ausgepackt, bevor er dem Benutzer präsentiert wird, d.h. die Envelope-Adressen werden abge- streift. Meistens ist der Envelope-Absender einer From_-Zeile (der '_' symbolisiert ein Leerzeichen, um den Unterschied zur "From:"-Zeile des Headers klarzumachen) oder Return-Path-Zeile am Anfang der Nachricht zu entnehmen. Der Envelope-Empfänger ist normalerweise nicht verfügbar, aber natürlich implizit gegeben, schließlich hat man die Nachricht ja empfangen.