Re: Linuxinstallparty 1900.

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From: Markus Hochholdinger (Markus_at_Hochholdinger.net)
Date: 12. Nov 1999


Hi,

hier kamen jetzt ein paar Gedanken auf, zu denen ich auch was sagen will:

> > > Zunächst ist es mal wirklich schwieirg, jemanden an ein Telefon
> > > zu kriegen, der a) etwas von Linux versteht, b) nicht nur von SuSE
> > > oder Red Hat oder was auch immer versteht sondern tatsächlich von
> > > Linux und c) auch Zeit hat.
> > d) der in der Lage ist, sich soweit in die Begriffswelt und Denkweise
> > von jemandem, der aus der PC-Welt kommt, hineinzuversetzen, dass
> > er (i) dessen Frage überhaupt versteht und (ii) eine Antwort
> > geben kann, die dieser dann ebenfalls versteht.
> > Das ist ein Grund, warum ich mich bei der Anfängerbetreuung weitgehend
> > zurückhalte. Ich kann mit den Leuten reden, aber es findet keine
> > Kommunikation statt.
> Hihi, scheint mir aber kein Linuxspezifisches Problem zu sein (sorry,
> konnte nicht widerstehen)

OK, versuchen wir das mal mit dem Autofahren zu vergleichen. Am Anfang, vor
ca. 100 Jahren, mußte man ein Mechaniker sein, um Auto fahren zu können,
heute benötigt man "nurnoch" einen Führerschein.
Vor ca. 30 Jahren wurde der PC erfunden! Wer damit arbeiten wollte mußte
schon ein Techniker und/oder Programmierer sein. Aber heute meint jeder,
daß er einfach so einen Computer bedienen könne, ohne Ausbildung! Das paßt
nicht zusammen!

> > Die Bemerkung b) finde ich ganz interessant. Wie ich so höre besteht
> > großes Interesse in der Geschäftswelt an Linux-Zertifizierungen,
> > als Äquivalent zum Microsoft Certified Engineer u.ä. Insbesondere
> > Red Hat scheint mit Nachdruck daran zu arbeiten. Und wie ich höre,
> > werden die Leute hauptsächlich konkrete Details einer Distribution
> > auswendig lernen dürfen.

Das ist ja (marktwirtschaftlich) logisch: Wenn Red Hat jemanden
zertifiziert, wollen die auch, daß Red Hat eingesetzt wird. Also den
Anfängern die spezifischen Deteils genau erklähren, damit sie bei anderen
Distributionen durcheinander kommen!
Schon komisch, daß der Markt auf so spezifische Ausbildung Wert legt! Aber
vielleicht sind Fachidioten ja besser unter Kontrolle zu halten, als Leute
die sich auskennen!

> > Punkt b) ist insofern auch interessant, als dass ich den Eindruck
> > habe, dass die meisten Anfängerfragen ganz spezifisch auf Details
> > einer bestimmten Distribution ausgerichtet sind. Ich kann das
> > üblicherweise gar nicht beantworten.

Ich sag dann meistens: "Dieses Problem kann man mit diesem Packet/Programm
lösen. Konfiguriert wird das "normalerweise" so und so." Und dann kommt der
Satz von mir: "Wie es bei Deiner Distribution genau geht, kann ich Dir
nicht genau sagen."

> > > Irgendwie scheinen sowohl die Verfasser von Handbüchern als auch
> > > Verfasser von Büchern absolut überzeugt davon zu sein, daß jeder
> > > neue Linuxer eine Menge von Computern schlecht versteht - aber
> > > nirgendwo steht, daß man mit Linux erst anfangen darf, wenn man
> > > herausragende Kenntnisse im Umgang mit Comuptern hat.
> > Aber was sind "herausragende Kenntnisse"? Hier findet eine anhaltende
> > Relativierung statt.

Es sind nicht unbedingt Kenntnisse erforderlich. Es ist eher erforderlich,
daß Linux-Neulinge auch was dazu lernen wollen.
Wenn die dann aber nur da sitzen und fragen wo ihre Systemsteuerung ist,
können die gleich bei ihrem vorherigen OS bleiben!

> > (I/O-Adressen, IRQs, Shared Memory) diese belegen. Wenn jemand um

Im Prinzip ist PCI da schon ein Stück einfacher geworden. Kein Jumper mehr,
keine Gedanken darum, welche Adressen weg sind. Dafür hat man auch keine
Eingriffsmöglichkeiten mehr, wenn alle 4 PCI Geräte sich einen IRQ
teilen...
Also Vorteile werden immer mit Nachteilen eingekauft!
Außerdem: Linux beherrscht PnP. Linux beherrscht nur kein ISA (pseudo) PnP!

> > In dem Kreis, wie sich Unix einer immer breiteren Nutzerschicht
> > erschließt, verschieben sich hier die Maßstäbe. Nun ist es aber
> > natürlich, dass die Kenner von heute, wenn sie mit Anfängern zu
> > tun haben, sich an ihrer eigenen Anfängerzeit orientieren - was
> > prompt schief geht.
> Ich denke, das trifft den Nagel auf den Kopf - und wahrscheinlich ist

Finde ich auch! Es ist allerdings auch schwierig abzusschätzen, was für ein
Kenntnisstand der Gegenüber hat!

> > Ich glaube, ich habe das in letzter Zeit schon öfters gesagt: Als
> > ich selbst mit Unix angefangen habe (noch gar nicht solange her,
> > ~1991), hieß es, dass es zehn Jahre Erfahrung brauche, bis man
> > einen Unix-Rechner administrieren könne. Und die System sind seitdem
> > sehr viel komplexer geworden. Heute erwartet aber jemand, ein
> > XY-Linux/-BSD in einer halben Stunde von CD installieren und das
> > System dann verwalten zu können. Irgendwas passt da nicht zusammen.
> Ich denke, das mag mit der sich in der Microsoftwelt so stark
> entwickelten Plug and play Philosophie zusammenhängen. Man muß sich
> vielleicht immer wieder vor Augen halten, daß ja alles in der MS Windows

Ein dummes Betriebssystem wird auch nur von Dummen bedient!

Gruß
                                                          \|/
        MH (o o)
------------------------------------------------------oOO--U--OOo--
 Markus Hochholdinger
 e-mail mailto:Markus_at_Hochholdinger.net .oooO
 www http://webrum.uni-mannheim.de/math/hochhold ( ) Oooo.
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