Re: Journées du Libre, Straßburg

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From: Christian Weisgerber (naddy_at_mips.rhein-neckar.de)
Date: 28. Mar 1999


(Der Text ist vom Samstag.)

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Verteiler: rni.unix
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           linuxtag_at_unix-ag.uni-kl.de

Ich bin vorhin von den "Journées du Libre, seconde édition"
<URL:http://strasbourg.linuxfr.org/jl2/> aus Straßburg zurückgekommen,
die dem Publikum freie Software mit Schwergewicht auf Linux vorstellen
sollten. Einige Eindrücke:

Die Veranstaltung ist gegenüber letztem Jahr erheblich gewachsen. War es
damals im Wesentlichen noch eine Installparty, so wurde dieses Mal eine
zweitägige Veranstaltung mit Vorträgen und begleitender Ausstellung
geboten.

Der gestrige Freitag (an dem ich nicht dort war) war für Firmen und
gewerblich orientierte Besucher veranschlagt, der heutige Samstag für
Privatpersonen. Der Eintritt war frei, Veranstaltungsort war ein Uni-
versitätsgebäude auf dem in Illkirch gelegenen Teil des Campus, ausge-
sprochen einfach von der Autobahn aus zu erreichen. Der Veranstaltungs-
ort war soweit ganz repräsentativ, und im oberen Stockwerk fand sich
auch eine Cafeteria, wo man mittags einen ganz ordentlichen Baguette-
Sandwich (18 FRF) zu sich nehmen konnte.

Am Eingang lagen ein paar Informationsblätter, darunter eines "Linux ou
le miracle du logiciel libre" von der LUG Strasbourg selbst, das meines
Erachtens ganz vorzüglich die Fakten zum Thema Linux zusammenfasst. Ich
habe dort auch gleich einen Stapel LinuxTag-Flyer abgelegt. Da die im
Laufe der Zeit immer weniger wurden, und ich nachfüllen musste, hat sie
offenbar irgendjemand auch eingesteckt. Außerdem habe ich zwei LinuxTag-
Poster aufgehängt.

Die Ausstellung umfasste ca. 10 Stände, darunter SuSE, Sun, Oracle,
O'Reilly, Transtec, und Linux Magazine France. So ziemlich überall lief
KDE, ansonsten waren die Stände so, wie man sie z.B. auch vom LinuxTag
her kennt. Bei Sun gab's einen Zettel, auf dessen Vorderseite sich
Propaganda für die Sun Community License findet - ha, ha, haben wir
gelacht - und auf der Rückseite "Linux 2.2 vs. Solaris 7 Server on
UltraSPARC Enterprise Features" in klassicher FUD-Manier. Ich habe mir
eine Diskussion erspart, zumal der Stand die meiste Zeit ohnehin
unbesetzt war.

Was das Vortragsprogramm angeht, so habe ich mir "KDE - applications,
technology, and latest developments" von Matthias Ettrich (Troll Tech,
KDE) und "Les fonctionnalités de Linux 2.2" von Remy Card (ursprüng-
licher Entwickler von ext2fs) angehört. Letzterem muss ich dabei den
deutlich besseren Vortrag zugestehen. Inhaltlich konnten mir beide
nichts Neues bieten, aber das wäre auch zuviel verlangt gewesen. Zum
Ende des Vortragsprogramms war gegen 17:00 noch eine Pressekonferenz
angesetzt. Dummerweise war aber keine Presse da. Shit happens.

Ich hatte allerlei Gelegenheit mit Matthias Ettrich zu sprechen, habe
ihm Poster und Flyer aufgehalst und im Gegenzug ein Troll-Tech-T-Shirt
geschenkt bekommen. RPM sucks. Die Geschichte, dass Arnt Gulbrandsen
eine Tastatur ganz ohne Beschriftung und ohne Seriennummer hat, ist
wahr. Er habe sich früher immer dabei ertappt, wie er beim Tippen auf
die Tastatur geschaut hat, und hat es sich damit abgewöhnt.

Zu meiner Überraschung habe ich trotz meines schrecklichen Personen-
gedächtnisses eine ganze Reihe Gesichter von letztem Jahr wiedererkannt
und bin meinerseits wiedererkannt worden, wodurch sich das eine oder
andere Schwätzchen ergab. Ansonsten hatte ich den BSD-Plüschdaemon
dabei, der wunderbar das Eis gebrochen hat. Jeder findet ihn einfach
süß, und es wurden prompt ein paar Bilder mit Tux und Chuck Seite an
Seite geschossen, die wahrscheinlich auch irgendwo im Web auftauchen
werden.

Besucherzahl: Der Hörsaal hatte laut Gespräch mit einem der
Organisatoren eine Kapazität von 300 Leuten, meine Überschlagszählung
ergab aber nur etwa 200. Bei den Vorträgen war er praktisch voll.
Zusammen mit dem, was man mir über den gestrigen Tag berichtet hat,
schätze ich die Besucherzahl der Veranstaltung auf mindestens 500. Kann
sein, dass die offiziellen Zahlen auch Richtung 1000 gehen werden. Die
"Journées du Libre" haben also schon bei der zweiten Auflage ein
durchaus in der Größenordnung des LinuxTags liegendes Ausmaß erreicht.

Eine Abordnung der Apodéline ("Association pour le développement du
Linux", IIRC) war aus Paris (!) - 500km - gekommen, weil es eine
Veranstaltung dieser Art und Größe dort nicht gibt. Ich stelle das mal
ganz konkret gegen die Geschichte von der CeBIT, wo jemand gegenüber dem
Linux-Magazin/Unix-AG-Stand behauptet haben soll, dass man in Paris eine
Veranstaltung durchführen wolle, die den LinuxTag in den Schatten
stellen würde. Wer von Paris nach Straßburg kommt, der kann genausogut
auch nach Kaiserslautern kommen. Entsprechend sind ein paar LinuxTag-
Plakate und ein Stoß Flyer jetzt auf dem Weg nach Paris. Dass die
ausschließliche Deutschsprachigkeit des LinuxTags zunehmend zu einem
bedeutenden Hemmnis wird, sollte allmählich klar werden - insbesondere
den Leuten, die sich heute nicht nach Straßburg getraut haben, weil sie
kein Französisch können.

-- 
Christian "naddy" Weisgerber                   naddy_at_mips.rhein-neckar.de
LinuxTag '99 - 26./27. Juni, Uni Kaiserslautern - http://www.linuxtag.org


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