From: Felix Brenk (fbrenk_at_gmx.net)
Date: 09. Dec 1998
Am 7 Dec 98, um 21:11 schrieb Klaus Neubauer :
> Soll das jetzt eine Diskussion sein oder eine Prügelei?
> Beleidigungen sind wirklich unnötig...also zurück zur
> Sachlichkeit.
"forcer_at_mindless.com" sagt eigentlich schon alles ;-)
Aber ab jetzt ganz im Ernst:
> Im Bürobetrieb mit Anwendungen wie Winword, Excel und Lotus Notes
> erweisen sich 32 MB RAM als dürftig. Und welcher Rechner ist
> noch nie abgestürzt?
Zwei Punkte:
1. legen es gewisse Leute offenbar darauf an, Linux unter möglichst
exotischen Umständen noch zum Laufen zu bringen
2. wäre meine Kritik, daß eine graphische Benutzeroberfläche unter Linux
genauso Ressourcen braucht und gerade die allerneueste Hardware ist
längst nicht immer (sofort) lauffähig, was ich in Bezug auf meine
Grafikkarte zu spüren bekommen habe.
> > Du raffst einfach nicht, daß Linux in Bezug auf die
> > Benutzeroberfläche einfach nix taugt.
>
> ...was sehr vom Anwender bzw. Anwendungszweck abhängt. Ein
> kurzer Befehl ist einfach schneller getippt, als mit der Maus ein
> Menü getroffen und der Befehl aus zig Untermenüs herausgesucht.
"Shortcuts" sind unter MS-Windows bei weitem nichts unbekanntes. Wer
möchte kann auch jederzeit aus der Shell heraus arbeiten. Ich persönlich
habe einfach Probleme, mir die kryptischen Linux-Kommandos zu merken
und empfinde Menüs und Registerkarten daher als eine ziemliche
Arbeitserleichterung.
> > [...] Und überhaupt: gibt es unter Linux
> > irgendetwas, daß auch nur annähernd an die Windows-
> > Registry/Systemsteuerung herankommt???
>
> Uh, ich weiß nicht, ob man darauf stolz sein sollte... Was sich
> da im Laufe der Zeit an Müll ansammelt - irgendwann muß man dann
> den ganzen Kram neu installieren.
Zumindest theoretisch müßte man sich das ersparen können, indem man
nur den betreffenden Registry-Ast neu einliest. Unter Linux weiß ich
dagegen überhaupt nicht, wo ich mit der Fehlersuche beginnen soll.
Rc.config ist als reine Textdatei nicht nur deutlich unübersichtlicher,
sondern auch längst nicht die einzige relevante System-Datei.
> > > Bietet NT die moeglichkeit,
> > > textbasierend ein dokument zu schreiben, und das dann
> > > anschliessend sofort zum drucker zu schicken, und ein
> > > hervorragend formatiertes dokument zu erhalten?
> >
> > Das interessiert mich eher weniger.
>
> ? Sollte das nicht das Ziel sein? Mit einfachsten Mitteln ein
> gutes Dokument zu bekommen?
Vor dem Layout steht erst mal die Texterfassung. Dabei kann mir Word
auch schon einiges an Unterstützung bieten. Ein fixes Layout interessiert
mich insofern wenig, da ich meinen Texte bis zur endgültigen Fassung
noch öfter überarbeite. Dabei ist es mir wichtiger, daß die
Textverarbeitung Einfügungen oder Streichungen möglichst automatisch
bewältigt. Damit habe ich unter Word keine Probleme.
> > [...] Ordentliches HTML
> > beherrschen derzeit allerdings weder M$ noch Star Division [...]
>
> Wozu brauche ich das denn? Um kleine Webseiten zu erstellen
> reicht jeder Editor.
Meine Idee wäre eigentlich, daß Dokumente grundsätzlich html-basiert
sein sollten, damit man sie problemlos drucken + im Internet publizieren
kann. Mit style-sheets könnte man da mittlerweile auch schon einiges
leisten. Allerdings wird das in dieser Form weder von Word 8.0 noch von
soffice 4.3 ordentlich unterstützt. Folglich muß ich für meine Online-
Dokumente grundsätzlich eine separate Druckversion vorhalten, weil html
längst nicht soviele Möglichkeiten zur Formatierung bietet wie eine
moderne Textverarbeitung und darüber hinaus schreiben sowohl MS-
Office als auch soffice 4.3 ein sehr eigenwilliges html, was sich kaum
beeinflussen läßt.
> Unsere Anwender kämpfen gerade mit der Umstellung von Word 6 bzw.
> Excel 5 nach Office 97. Mittlerweile kommt's mir vor wie im
> Supermarkt: bei jeder Version werden die Befehle neu über die
> Regale pardon Menüs verteilt.
Meiner Meinung nach ist Office 97 in gewissen Punkten ein technischer
Rückschritt. Das liegt offenbar daran, daß man die Suite für Win95
komplett neu geschrieben und dabei einige Konzepte vergessen hat (z.B.
auch die Formatvorlagen: schau Dir bloß mal die Muster von M$ an!). Aber
im Vergleich mit soffice 4.3 ist das meiner Ansicht nach noch immer das
kleinere Übel...
> Graphische Konfigurationstools gaukeln eine Scheineinfachheit
> vor. Man kommt leichter in Versuchung, einen Befehl anzuklicken
> und dann "autsch" zu rufen, weil's schiefgeht, als wenn man erst
> nachlesen muß, wie die Syntax lautet und welche Auswirkungen das
> Ganze hat. Abgesehen von der Sucherei, wenn man mit
> verschiedenen Windows-Versionen zu tun hat.
Teils, teils: es wäre sicher nicht falsch, wenn man alternativ auch direkt in
die registry schreiben könnte o.ä.. Aber mit der Doku habe ich unter Linux
ziemliche Probleme: 1. halte ich die man-pages schon für äußerst
unübersichtlich (speziell im Vergleich zu DOS-Help) und 2. vermisse ich
eine Online-Hilfe (dazu scheint es überhaupt kein Äquivalent zu geben:
html-Dokumente lassen sich schließlich deutlich schlechter nach
Schlüsselwörtern durchsuchen: SuSEs htdig benötigt Stunden für ein
Update!)
> > Insofern falsch, daß soffice 4.3 (noch) über keine brauchbare
> > Datenbank verfügt. Aber im Prinzip sollte mir ein Office-Paket alle
> > nötigen Hilfsmittel zur Verfügung stellen (ist bei M$ eigentlich auch
> > der Fall).
>
> Der Preisunterschied ist auch nicht gerade klein.
M$ gibt es auch im Bundel. Und letztlich würde ich es sogar als "preiswert"
bezeichnen, weil es einfach produktiver ist. Ich habe mich jedenfalls schon
vor langer Zeit ganz bewußt für Word 5.5 in der DOS-Version entschieden
und würde heute vielleicht Word 6.0 als die ultimative Textverarbeitung
ansehen, die Folgeversionen haben sich eher verschlechtert.
> > Meine Literaturdatenbank (erstellt in Access, also mit Visual
> > Basic) kann Daten aus den Standarddatenbanken (MLA, SOCIFILE etc.)
> > einlesen und im HTML(!)-Format ausgeben, formatiert sowohl nach den
> > DIN-Richtlinien als auch nach den Richtlinien der MLA (je nach Wunsch).
>
> Wie lang war da die Einarbeitungszeit? Ähm, und was hat das
> eigentlich mit dem OS zu tun?
Die Einarbeitungszeit war insofern kurz, weil ich auf den BASIC-
Kenntnissen aufbauen konnte, die ich mir ursprünglich mal erworben hatte
(noch vor der ersten DOSE). Den Bezug zum OS sehe ich darin, daß mir
über eine vergleichbare "Entwicklungsumgebung" unter Linux nichts
bekannt ist. Dabei würde ich meine Datenbank am liebsten als "VISUAL-
C++"-Applikation "portieren". Immerhin soll soffice 5.0 jetzt ja über einen
Access-Importfilter verfügen, obwohl ich demgegenüber schon ein wenig
skeptisch bin.
> > > Unter linux laed er sich kurz The Gimp
> > > runter.
> >
> > sic! Ist halt nicht Bestandteil des "OS" :-)))
>
> Seitwann ist MS Office Bestandteil des OS? NT Workstation allein
> kostet <blätter> ca. 600,- DM, Office Standard 996,- DM. Da
> bekomme ich für einen Bruchteil einen Berg Linux-Disketten mit
> allem, was dazugehört.
Ursprünglich bin ich davon ausgegangen, daß man für 150 DM eine NT-
Studentenlizenz bekommt (+ 298 für MS Office PRO; im Vergleich zu 99,-
DM für Applix von SuSE). Paint wäre tatsächlich Bestandteil von Windows
NT. Star Office bekäme man seit neuestem auch in der Windowsversion
kostenlos (zumindest für den Hausgebrauch).
> <läster> Wohl doch nicht so intuitiv benutzbar? </läster>
1. Ist damit Linux nicht automatisch besser und 2. hätte ich ja auch bei
DOS bleiben können...
> > [...] MS-DOS begonnen habe und mittlerweile unter NT arbeite, genauso
> > lang, wie ich im Prinzip auch schon versuche, mir Linux nutzbar zu
> > machen. Jetzt habe ich es wenigstens schon mal auf meinem Rechner
> > installiert...
>
> Oops, warum das denn? Wo Windows doch das allein seligmachende
> ist? (sorry, couldn't resist)
Ursprünglich hatte ich mir schon vorgenommen, langfristig auf Linux
umzusteigen. Aber gerade jetzt, wo ich das System wirklich "in Händen"
halte, reizt mich das immer weniger. Für meine Zwecke sehe ich es
einfach als ungeeignet an.
> > Seit wann ist DOS=NT??? Das ist doch genau der Unterschied zwischen NT
> > und Windows 9x!!! Unter NT kannst Du einen Prozeß tatsächlich gezielt
> > abschießen, sogar mit graphischer Unterstützung.
>
> Grööhl. Auch mit Soundunterstützung?
Meinentwegen. Tatsache ist, daß der NT-Kernel im Gegensatz zu Win9x
nicht auf DOS basiert. Meines Wissens deshalb ein Unix-Derivat, weil
ursprünglich für Alpha-Prozessoren von Unix-Spezialisten bei Digital
entwickelt.
> > BTW: Kann es sein, daß Dein Mailer keine Umlaute beherrscht? Eine
> > Schande für den gesamten nicht-angelsächsischen Sprachraum! 1998
> > lasse ich mir jedenfalls meine kreative Schreibweise durch keinen
> > Computer mehr einschränken...
>
> Das ist eine Höflichkeit gegenüber Leuten, bei denen Umlaute als
> Müll ankommen.
Ich denke wirklich, daß man heute mit MIME keine Probleme mehr haben
sollte (läßt sich bei mir im Terminalzugang sogar problemlos lesen,
allerdings nicht schreiben). Dabei würde ich meine emails noch viel lieber
mit html verfassen, weil man damit mehr "ausdrücken" kann...
> Bei dieser ganzen Debatte weiß ich nicht, ob ich weinen oder
> lachen soll. Wenn man den PC einschließlich allem dazugehörenden
> Kram als Werkzeug betrachtet, wird das alles unsinnig. "Mein
> Schraubenzieher hat aber einen orangenen Griff und liegt viel
> besser in der Hand!" oder so :)
In meinen Augen gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen
Betriebssystem und Benutzeroberfläche. Es heißt nicht umsonst
"Windows NT". Dabei hatte ich es so verstanden, daß man sich mit der
Install-Party an Einsteiger richten will und nicht an IT-Spezialisten. Weil
dann eine Diskussion einsetzte, welche Unix-Distribution denn wohl die
geeignete sei, wollte ich mich auch gerne in die Diskussion mit einbringen
und habe damit wohl in ein Wespennest gestochen.
Felix :-)
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