Kalles Vortrag

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From: Till Baumgaertel (tiba_at_rumms.uni-mannheim.de)
Date: 29. Nov 1998


Hi Zusammen,

folgende Ankündigung hab ich gerade von kalle für seinen
Vortrag bekommen (und ihn um eine wegbeschreibung ergänzt).
Allerdings weiß ich noch niccht, ob ich ihn für die
ankündigung über andere email-listen bzw. news-groups noch
etwas kürzen muß. was meint ihr?

VORTRAG: Die Kathedrale und der Basar - Utopisten, Fanatiker,
         Hacker oder: Das Erfolgsmodell Freie Software
REFERENT: Dipl.-Inform. Matthias Kalle Dalheimer

TERMIN: 9.12.98, 19.15
ORT: Hörsaal O163, Universität Mannheim
WEG: Der Hörsaal liegt im Ostflügel des Schlosses.
Nächste Straßenbahnhaltestellen: "Schloß" und "Universität"
Am besten findet Ihr den Hörsaal, indem Ihr das Schloß über
den Eingang gegenüber dem Quadrat L3 betretet (Glastür).
Dort gelangt Ihr über die große Treppe ins Zwischengeschoß,
zu Eurer Linken findet Ihr dann den Hörsaal O163.

  In meinem Vortrag möchte ich das Entwicklungsmodell der
Freien Software vorstellen, d.h. von Computerprogrammen, die
ohne wirtschaftliche Interessen entwickelt und ohne
Einschränkungen weitergegeben werden können. Unter dem Begriff
der Freiheit wird in diesem Zusammenhang aber nicht nur die
Freiheit von Kosten und die Freiheit der beliebigen
Verbreitung, sondern auch die Freiheit des Lernens aus der
Arbeit anderer verstanden. Um dies näher zu erläutern, werde
ich zunächst kurz den Softwareentstehungsprozeß erläutern,
wobei es insbesondere auf den Unterschied zwischen Quellcode
und Maschinencode ankommen wird.

  Im weiteren werde ich das Kathedralen- und das Basar-Modell
ansprechen, zwei soziologische Modelle, die zu erklären
versuchen,warum die Entwicklung Freier Software überhaupt
funktionieren kann. Anhand eines größer angelegten freien
Softwareprojektes, der Arbeitsoberfläche KDE, an der ich
selbst mitwirke, werde ich die grundsätzlichen Thesen des
heute vorherrschenden Basar-Modells beschreiben.

  Anhand einiger herausragender Persönlichkeiten der Freien
Software wie Richard M. Stallman, Eric S. Raymond und Matthias
Ettrich werde ich aufzeigen, wie die Freie Software sowohl für
Utopisten und Fanatiker als auch für pragmatische Realisten
Platz bietet. Die Streitfrage, welche der beiden Gruppen der
Sache mehr dient, werde ich sicherlich nicht abschließend
beantworten können, sie soll gleichwohl andiskutiert werden.

  Schließlich möchte ich noch auf die Frage eingehen, ob man
Freie Software als alternatives Gesellschaftsmodell betrachten
kann, oder ob es sich eher nur um eine Randerscheinung in
einem milliardenschweren Geschäft handelt. Am Ende wird die
Frage stehen, ob völlig freies Computing möglich ist, und was
das für die Computer-Industrie bedeuten könnte.

  Ich würde mir wünschen, daß sich im Anschluß an meinen
Vortrag eine interessante Diskussion über die vorgetragenen
Themen ergibt.

VORAUSSETZUNGEN: Neugier reicht, insbesondere sind keinerlei
informatische Kenntnisse verlangt, ich werde alles
Notwendige am Anfang kurz erläutern.

LITERATUR: Naturgemäß gibt es zu diesem Thema wenig
klassische Literatur, wie man sie in Bibliotheken findet (auch
wenn sich das sicherlich bald ändern wird). Die folgenden
Dokumente im World Wide Web sind aber einschlägige Quellen zu
diesem Themenkreis und zur Lektüre empfohlen (wenn auch keine
Voraussetzung für das Verständnis des Vortrags):

* Jeremy Lee: "Open Source and Change"
  http://slashdot.org/features/98/11/16/1446250.shtml
  ein sehr kurzer Artikel, wie Freie Software Nicht-Technikern
  die Welt der Computer näher bringen kann.
* Eric S. Raymond: "The Cathedral and the Bazaar"
  http://www.tuxedo.org/~esr/writings/cathedral-bazaar/
  inzwischen berühmte Papier, über das viele Zeitungen
  geschrieben haben, und das unter anderem Netscape
  Communications dazu gebracht hat, ihren Web-Browser
  freizugeben.
* Eric S. Raymond: "Homesteading the Noosphere"
  http://www.tuxedo.org/~esr/writings/homesteading/
  Folgepapier zu "The Cathedral and the Bazaar"
* Microsoft Corp..: "Die Halloween-Dokumente"
  http://www.opensource.org/halloween.html
  die berüchtigten Papiere von Microsoft, die die Haltung
  von Microsoft zu Linux und Freier Software im allgemeinen
  offen legen.

--
"Es ist wahr, ein Mathematiker, 
der nicht auch etwas Poet ist, 
wird nimmer ein vollkommener Mathematiker sein."
(Weierstrass in einem Brief an die Kovalevskaya)


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