From: Christian Weisgerber (naddy_at_mips.rhein-neckar.de)
Date: 01. Nov 1998
Raphael Becker:
> Wie sähe es bei uns mit einer Linux (Unix??) Installationsparty aus?
Ist schon mehrfach angesprochen worden, grundsätzlich besteht wohl
Interesse daran eine zu veranstalten.
> Da ich selbst noch auf keiner Install-Party war, möchte ich mal
> "Kenner" dazu auffordern ein paar Erfahrungen mitzuteilen.
Ich habe auch noch keine mitgemacht, weshalb ich mich bisher in diese
Richtung zurückgehalten habe. Die der Unix-AG an der Uni möchte ich
eigentlich auch nur beobachten.
> * Wie groß ist ein solcher Aufwand (Vorbereitungen)
- Räume organisieren
- Plakate drucken und austeilen, Anzeigen schalten, Werbung im Netz
- konkrete Betreuung auf der Veranstaltung
Der mittlere Punkt ist der, bei dem es dann scheitert, weil niemand
etwas macht.
> * Mit wie vielen Leuten muß man in etwa rechnen?
Das hängt direkt davon ab, wieviel Werbung man macht. An der Uni hatte
man gerechnet 20 oder, nach realistischer Korrektur, 15 Leute abfertigen
zu können und viele Interessierte auf ein anderes Mal verweisen zu
müssen. Nachdem sich dann aber für den mittleren Punkt von oben kaum
jemand fand, sind es jetzt nur sieben Interessierte.
Die Zielgruppe der Unix-AG waren Erstsemester. Die Hälfte der
Interessierten haben noch gar keinen Rechner und wollen bei der
Installation nur zuschauen. Ich nehme an, dass das für die UUG-RN-
Zielgruppe nicht repräsentativ ist; trotzdem mal im Hinterkopf behalten.
Grundsätzlich empfiehlt sich, eine Anmeldeliste zu führen, und bei
Erreichen der maximal versorgbaren Teilnehmerzahl einen Schlussstrich zu
ziehen. Wobei man natürlich wieder rechnen kann, dass etliche der
definitiv Angemeldeten doch nicht kommen.
> * Was für ein "Begleitangebot" wäre sinnvoll (ich denke da an Sachen
> wie Getränke, Musik, etcetc (es soll schließlich eine Party sein))
Soll es? Keine Ahnung. An der Uni wird es wohl eine reine Installations-
sitzung.
> * Welche Räumlichkeiten eignen sich besonders?
Uni, FH. Kostenlos, und hoffentlich mit genug Strom. Falls man nicht von
CD sondern von einem lokalen Mirror installieren möchte, braucht man
Räume mit Netzanschluss oder muss eine eigene Netzinfrastruktur (naja,
einen Hub) aufbauen.
Es gab bei uns an der Uni schon einmal eine solche Installations-
veranstaltung. Die Leute, die damals dabei waren, haben lehrreiche
Erfahrungen gemacht, die ganz plausibel klingen:
- Zu einer Installationsparty kommen Leute, die überhaupt keine Ahnung
haben, und/oder bereits selbst beim Versuch Linux zu installieren
gescheitert sind. Sozusagen "worst case".
- Man braucht ca. einen Betreuer auf 1½ Teilnehmer.
- Den Teilnehmern einbläuen, dass sie komplette Systeme mitbringen
müssen. Also nicht nur Rechner, sondern auch Monitor, Tastatur, Maus.
Sagt man das nicht, dann kommen sie nur mit dem Rechner.
- Die Teilnehmer alle Anleitungen zu ihrer Hardware mitbringen lassen.
Es ist völlig hoffnungslose, IRQs irgendwelcher Erweiterungskarten
einzustellen, o.ä., ohne Anleitung. Auch um XFree86 an das Video-
subsystem anzupassen sollen Handbücher unverzichtbar sein.
- Vorher die System-Anforderungen klar machen. Das betrifft sowohl die
Hardware - die Leute schleppen sonst das abstruseste Zeugs an - als
auch die Koexistenz mit anderen Betriebssystemen, also dass man
(mindestens) eine freie Partition bestimmter Größe braucht, und dass
unbedingt vorher ein Backup gemacht werden soll.
- Keine individuelle Paketauswahl. Es wird einfach eine standardisierte
Paketsammlung abgekippt. In der Unix-AG werden dazu eigene, Red-Hat-
und SuSE-basierte Distributionen zusammengestellt. Es ist nicht
sinnvoll möglich hunderte von Paketen einzeln durchzugehen "was macht
das? brauche ich das wirklich? wieviel Platz haben wir noch?". Ebenso
können auch nur die gröbsten Dinge eingerichtet werden, und nicht
kompletter Internetzugang mit NAT, Samba, etc.
Die Unix-AG hat eine obligatorische Vorbesprechung veranstaltet (es
kamen natürlich trotzdem nur die Hälfte), wo obige Punkte abgesprochen
wurden. Sowas ist für die UUG-RN natürlich eher ungünstig. => Wer am
Telefon/per E-Mail Anmeldungen entgegennimmt, muss den Leuten diese
Punkte verklickern.
Und dann braucht man natürlich fachkundige Kräfte vor Ort, die das ganze
betreuen, und die mit der Installationsproblematik auf wirrer Hardware
und kooperativ inmitten anderer Betriebssysteme vertraut sind.
--
Christian "naddy" Weisgerber naddy_at_mips.rhein-neckar.de
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