Re: Backupstrategie

Autor: Werner Holtfreter <Holtfreter_at_gmx.de>
Datum: Thu, 29 May 2008 00:06:02 +0200
Am Dienstag, 27. Mai 2008 15:01:29 schrieb Werner Holtfreter:

> Der Rechner enthält zwei Rahmen für Wechselfestplatten. In einem
> steckt die System- und Datenplatte. In den anderen Rahmen wird
> mindestens einmal in der Woche und unmittelbar vor größeren
> Systemänderungen für kurze Zeit eine Backupplatte gesteckt, auf
> die die System- und Datenplatte gespiegelt wird. Nach der
> Spiegelung werden die Platten verglichen. Spiegelung, Vergleich
> und Protokollierung laufen automatisch durch ein angepasstes
> Knoppix.
>
> Es sollen folgende gleichgroße Platten angeschafft werden:
>
> 1 im Rechner in Betrieb
> 2 Backup im Wechsel mit 3
> 3 Backup im Wechsel mit 2
> 4 Backup, aktualisiert ca. halbjährlich, auswärts gelagert
>
> Im Rechner fest eingebaut ist eine weitere Platte (um alte
> IDE-Platten weiter nutzen zu können, genau genommen ein RAID 5
> aus drei Platten), auf dem einmal täglich beim booten ein
> Hardlink-History fortgeschrieben wird. Anschließend wird es read
> only gemountet. Dieses History umfasst jede tägliche Version
> jeder Datei auf /home.

Hallo,

hier noch eine Abschätzung, welche Datenverlustwahrscheinlichkeit 
pro Jahr besteht.

Für Festplatten schätze ich, dass sie wenigstens 3 Jahre 
durchhalten, bis ein nicht durch Geräusche oder SMART angekündigter 
Fehler zu Datenverlust führt.

Für die Betriebs-Festplatte gilt also das Risiko 0,3 p.a.

Für die Backup-Festplatten nehmen wir die gleiche Ausfallrate an. 
Bei wöchentlichem Backup würde ein Defekt nach einer Woche bemerkt 
werden. Datenverlust gibt es, wenn die Betriebsplatte in der 
gleichen Woche ausfällt, in der auch die Backupplatte ausgefallen 
ist. Folglich multiplizieren wir die wöchentliche 
Ausfallwahrscheinlichkeit beider Platten miteinander:

(0,3 / 52) * (0,3 / 52) = (0,3 / 52)² = 3,3E-5

Das RAID5 im meinem Rechner verliert aber erst Daten, wenn zwei 
Platten gleichzeitig kaputt gehen. Wir unterstellen, dass das erst 
nach einer Woche bemerkt wird. Obiger Klammerausdruck muss dann in 
die 3 Potenz erhoben werden:

(0,3 / 52)³ = 1,9E-7

Es lohnt sich der Vergleich mit anderen Risiken für unseren Rechner, 
nämlich Wohnungseinbruch und Wohnungsbrand.

Die Zahlen sind etwa

Einbrüche 150000 p.a.
Feuer     200000 p.a.
---------------------
Gesamt    350000 p.a. geteilt durch Anz. der Haushalte 39,8E6
Gibt: 8,8E-3

(Da nicht jedes Schadensereignis zum Verlust des Rechners führt 
vernachlässige ich im Gegenzug weitere Risiken, etwas die 
Beschlagnahme des Rechners durch falschen Verdacht auf Basis der 
Vorratsdatenspeicherung.)

Der Vergleich zeigt, dass Feuer und Einbruch bereits zwei 
Größenordnungen gefährlicher sind, als Plattendefekte, wenn nur 
*eine* Backupplatte im Rechner ist. Weitere Platten im Rechner 
verbessern also nichts.

Obige Betrachtung gilt, wenn die Plattenausfälle voneinander 
unabhängig sind. Sie gilt nicht für gemeinsame Ursachen wie 
Überspannung oder Amok laufende Programme, die Daten löschen. Wie 
wahrscheinlich ist so etwas? Schwierig! Ich stelle mir vor, dass es 
bei Tausend PCs einmal pro Jahr geschieht, das wäre dann mit
1E-3 p.a. die Risikogrößenordnung von Einbruch/Feuer.

Damit ist obige Berechnung von 1,9E-7 hinfällig, für alle Daten im 
Rechner gilt die Ausfallwahrscheinlichkeit ca. 1E-3 p.a. Dieser 
Wert lässt sich nur durch sicher gelagerte Wechselfestplatten oder 
externe Server verbessern.

Für eine/zwei/drei zusätzliche, unabhängige externe 
Backupmöglichkeiten errechne ich folgende Werte p.a:

1E-3 * (0,3 / 52)  = 6E-6
1E-3 * (0,3 / 52)² = 3E-8
1E-3 * (0,3 / 52)³ = 2E-10

Unter diesen Zahlen kann man sich nichts vorstellen, daher der 
Vergleich mit der Zahl tödlicher Verkehrsunfälle p.a bezogen auf 
die Bevölkerungszahl:

4958 / 82E6 = 6E-5

Danach müsste /eine/ externe Backupmöglichkeit ausreichen, sorgt sie 
doch bereits für eine 10-fach bessere Sicherheit, verglichen mit 
dem Straßenverkehr. Obige Berechnung gilt aber nur für unabhängige 
Ereignisse. Wenn ich die Backupplatte einstecke, weil ein defektes 
Netzteil gerade eine Platte gekillt hat, dann ist das nicht 
unabhängig! Zwei externe Platten sind daher mein Minimum.

Wäre schön, wenn jemand meine Rechnung nachprüft.
-- 
Viele Grüße
Werner Holtfreter
-- 
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Empfangen am 29.05.2008

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