Re: ReiserFS v3 versus ext3

Autor: Alexander Holler <holler_at_ahsoftware.de>
Datum: Thu, 28 Feb 2008 20:36:43 +0100
Tach,

Werner Holtfreter wrote:
> Hallo,
> 
> Marc Haber schrieb kürzlich:
> 
> | Ich mag jetzt nicht wie üblich über Reiserfs lästern

Da kann ich mich nicht zurückhalten. ;)

> Warum lästern? Ich nutze es schon seit Jahren sorgenfrei. Mir 
> gefällt daran, dass ich mir keine Gedanken um die richtige Zahl der 
> Inodes machen muss. Ich könnte mir vorstellen, dass bei meinen rund 
> 10.000 Mails im maildir-Verzeichnissen mit ext2 oder 3 schon 
> etwas "Luft" mit verpackt würde (oder eben viele Inodes zu 
> speichern wären).
> 
> Ob es auch schneller ist, wenn massenhaft Dateien zu löschen sind 
> (bei mir täglich ein Hardlink-Backup von /home) habe ich nicht 
> getestet.

Wer "Reiswolf-FS" nutzt ist selbst schuld. Ich selbst habe das entgültig 
in die Tonne geworfen, als mir eine defekte Partition (SCSI-Platte 
meldete einen Fehler) einen kompletten Rechner blockiert hat (das war 
vor ca. 10a). Ich hatte das damals durchdebuggt und einen Bericht an den 
Hans Reiser geschickt, als Antwort kam nur, daß man sich nicht auch noch 
um defekte Platten kümmern kann. Anzumerken ist, daß das System nicht 
stehenblieb, weil es etwas lebenswichtiges nicht mehr fand, es blieb 
einfach stehen, weil reiserfs meinte, so auf eine Fehlernachricht einer 
Platte reagieren zu müssen. Meiner Meinung nach völlig undiskutabel, 
Platten können immer ausfallen, und die richtige Fehlerbehandlung ist, 
daß man einen Fehler an das System zurückliefert, und dieses dann weiter 
entscheidet, was es unternimmt.

Ganz abgesehen davon, hatte ich auch vor diesem Defekt schön öfters das 
Problem, das reiserfs nach einem "unsauberem" Herunterfahren (Strom weg 
oder was auch immer), einfach ein unbrauchbares Filesystem hinterlies. 
Ganz übel war eine Eigenart, daß etliche Dateien plötzlich binäre 
"Zufallszahlen" am Ende hatten. Das merkt man nicht unbedingt sofort 
(binaries liefen trotzdem, da der Müll angehängt war), sonder man merkte 
daß erst, wenn irgendwelche Textdateien (z.B. Quellen oder 
Konfigurationsdateien) binären Inhalt haben. D.h. danach war mehr oder 
weniger das gesamte System nicht mehr vertrauenswürding, da es unmöglich 
war, alle Dateien mit dem Müll am Ende zu identifizieren.

Interessanten Lesestoff dazu (auch in Bezug auf XFS) findet man z.B. hier:

http://linuxmafia.com/faq/Filesystems/reiserfs.html

Um auch etwas produktives beizutragen:

Wer oft mit sehr vielen Dateien in einem Verzeichnis unter ext3 
handtiert, dem hilft evtl. die FS-Option dir_index, das kann man auch 
nachträglich per tune2fs und einem darauffolgendem fsck aktivieren 
(tune2fs -o dir_index /dev/sda1;touch /forcefsck; reboot).

Gruß,

Alexander


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Empfangen am 28.02.2008

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