Re: Systemzugang bei 100% Systemlast?

Autor: Robert Schiele <rschiele_at_uni-mannheim.de>
Datum: 09.02.2005
Hallo,

im Folgenden kommt es etwas drauf an, was du mit "100% Systemlast" genau
meinst. Zu 100% ausgelastet ist naemlich nie das ganze System, sondern immer
nur eine bestimmte Komponente.

- Einerseits koennte dies bedeuten, dass die CPU zu 100% ausgelastet ist. Dies
  stellt aber kein Problem dar, da auch neue Programme einen fairen Anteil an
  der CPU bekommen, und es dir problemlos moeglich sein sollte, ein
  fehlerhaftes Programm einfach abzuschiessen.

- Andererseits koennte es an einer sehr hohen I/O-Anforderungsmenge zum
  Beispiel an die Platte liegen. Dazu im Folgenden mehr...

On Wed, Feb 09, 2005 at 01:39:42PM +0100, Werner Holtfreter wrote:
> ich habe gestern in Suse 9.2 versehentlich rund 20 Instanzen von 
> Gwenview geöffnet, worauf KDE in Selbstbeschäftigung überging und 
> ich nicht mal mehr auf eine Konsole kam, um zu killen oder zu 
> restarten.

Dann hat vermutlich deine Platte komplett durchgedreht. Durch den unter Unix
typischen Memory Overcommit ist es Applikationen auf bestimmte Art und Weise
leicht moeglich, praktisch unendlich viel Arbeitsspeicher anzufordern. Der
Kernel kann dadurch in eine Situation gebracht werden, dass er nahezu
ausschliesslich mit dem Ein- und Ausswappen von Speicherseiten beschaeftigt
ist, bis er irgendwann die Auswegslosigkeit seines Tuns erkennt und einen
Prozess abschiesst.

In dieser Situation ist das Einloggen theoretisch immer noch moeglich, kann
aber mitunter so langsam sein, dass jeder Versuch einem Timeout zu Opfer
faellt.

> Eine Minute lang kann ich aus KDE noch abbrechen, danach geht es nur 
> noch über die Konsole, das Runterfahren dauert dann minutenlang! 
> Wenn man zu lange wartet, geht selbst die Konsole nicht mehr 
> richtig, es kommt bereits beim einloggen zu einem Timeout. Daher 
> habe ich mich schon vorsorglich dort eingeloggt.

Gehen tun die Sachen alle noch. Sie werden nur um Dimensionen langsamer.

> Ist da was beschädigt in meinem System oder ist so etwas prinzipiell 
> unvermeidbar und wie kann man in solchen Fällen noch sauber 
> herunterfahren?

So etwas ist vermeidbar, indem man sinnvolle ulimits (Siehe auch in der
Man-Page der bash) setzt. Man sollte das auf jeden Fall auf Systemen tun, bei
denen Personen Accounts haben, denen man nicht absolut vertraut, da ansonsten
sehr leicht lokale DoS-Attacken gefahren werden koennen.

Auf deinem SUSE-System gibt es ein spezielles Paket ulimit, welches das
komfortable systemweite Setzen dieser Limits erlaubt.

Robert

-- 
Robert Schiele			Tel.: +49-621-181-2214
Dipl.-Wirtsch.informatiker	mailto:rschiele@uni-mannheim.de


Received on Wed Feb 9 17:12:09 2005

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