Re: Meine Meinung

Autor: Markus Demleitner <msdemlei_at_cl.uni-heidelberg.de>
Datum: 09.02.2005
On Wed, Feb 09, 2005 at 10:36:11AM +0100, Yvonne Vetter wrote:
> On Tue, 8 Feb 2005, Frank wrote:
> 
> > Was ist an einem Mac so einfach und ohne Probleme machbar?
> 
> Die Frage der Fragen ;) Da antworte ich als glueckliche "Switcherin" doch
> gerne! Dazu ist jedoch zuvor ein Aspekt wichtig: Die nachfolgenden
> Aussagen gelten nur dann, wenn man OS X benutzt, und nicht wieder darauf
> zurueckverfaellt, ein Linux installieren zu wollen.... warum
> auch? Man hat ja ein gescheites (okay, das ist Definitionssache,
Ein Wort: Freiheit.

> brennen, kein rumgemache, kein gefrickel, es geht einfach.
Absolut.  Wenn ich hier etwas Exegese von Naddys Ausführungen machen
darf: Linux (und allgemein freie Systeme) ist/sind vor allem dann
toll, wenn mensch wirklich was davon hat, dass es zu allem Quellen
gibt, wenn mensch wirklich *verstehen* *will*, was die Maschine tut.
Wer mit C, shellskripten und awk (etwas verkürzt) nichts anfangen
will und einfach nur ein "funktionierendes" System will ist mit OS X
auf Apple-Hardware m.E. im Augenblick tatsächlich am besten bedient.

Der Preis dafür ist, dass das System im Groben auch nur das kann, was
vom Hersteller vorgesehen wurde und ein Eingriff in seine
Eigenschaften mit wachsender Bedienerfreundlichkeit immer schwieriger
wird, und (m.E. wichtiger), dass mensch auf einige elementare
Freiheiten verzichtet: 

 * Wahl der Hardware: Carbon und Co laufen halt nur auf PPC und dann
   auch nur auf Apple-Hardware
 * Weitergeben: Apple prozessiert einem den Hintern von den Beinen,
   wenn mensch den Kram weitergibt
 * Ändern: Bei OS X gibts immerhin noch die Basis-Komponenten im
   Quelltext, aber sobald Bildchen ins Spiel kommen, ist alles aus
 * Verstehen: "Use the source, Luke" ist dann und wann der einzige
   Weg, weiterzukommen
 * Weiterverwenden: Wenn im "oberen" Bereich von OS/X irgendwas cool
   gelöst ist, gibts genau zwei Möglichkeiten: Entweder, Apple hat
   eine Schnittstelle dazu, dann kann ich es verwenden, schränke aber
   mein Programm genau auf OS/X ein, oder Apple hat keine
   Schnittstelle dazu vorgesehen, dann ist mir diese Lösung nicht
   zugänglich.  Beides ist doof und führt dazu, dass ich längst
   gelöste Probleme immer wieder neu lösen muss.
 * Noch ein paar :-)

Von all dem Lizenzwahnsinn ("Using this program transfers an exclusive
and non-transferable right to your firstborn to EvilCorp Inc.") will
ich gar nichts sagen.

All diese Dinge sind (leider, wie ich einflechten darf) für 99% der
gegenwärtigen RechnernutzerInnen (ok, das ist vielleicht
pessimistisch) irrelevant (die Verletzungen der informationellen
Selbstbestimmung aus dem Lizenzwahnsinn etwa sollte für Leute, die
jetzt nicht gegen die DNA-Datenbanken, die Vorratsdatenspeicherung
oder biometrische Merkmale in Reisepässen auf die Barrikaden gehen,
Petitessen sein).

Ich will nicht sagen, dass diese 99% Windows oder OS/X oder HP/UX (urgh)
verwenden *müssen*, nur, dass für diese die Entscheidung für freie
Systeme nicht sehr zwingend ist und eine "it just plain
works"-Attitüde absolut legitim ist -- und, ich denke, das werden
alle zugeben, die schon mal vor einem Mac saßen, dieser befriedigt so
eine Haltung weit besser als alles, was ich bisher an Verpackungen
freier Software gesehen habe (Knoppix eingeschlossen).

        Markus
Received on Wed Feb 9 11:23:19 2005

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