Erfahrungen während der Umstellung auf Linux: 3 Wochen Stress beim vergeblichen Versuch, ein stabiles System aufzusetzen

Autor: aXL <axl_at_tightlook.de>
Datum: 29.12.2004
Moin.

Ich bin ratlos und möchte mal wissen, ob jemandem von Euch was einfällt. 
Ich erwarte keine Lösung, sondern würde mich schon freuen, wenn nur 
irgendjemand eine nachvollziehbare Idee hätte, woran meine Probleme 
liegen - ich kapier's schon lange nicht mehr.

Vorab:

Ich WILL Linux. Ich verabscheue Windows und Microsoft-Produkte. Ich sehe 
Open Source als die einzig richtige Form, Software zu veröffentlichen. 
Ich will hier also keine Polemik gegen Linux loswerden, ich würde gerne 
damit arbeiten. Aber das scheint nicht zu gehen.

Ausgangssituation:

Athlon XP 1800+, Asrock K7irgendwas, 512M SD-RAM, 2x 120G IDE, Matrox 
G450DH, Windows XP. Rennt lang, breit und schmutzig. Keine besonderen 
Vorkommnisse, Bildbearbeitung geht zwar träge, aber stabil und 
zuverlässig. Auch beim Wandeln von mehreren 1000 RAW-Dateien im Batch 
über 12 Stunden mit durchgehend 100 % CPU-Last. Nur thermische Probleme 
stellen sich im Sommer ein, die ein zusätzlicher Gehäuselüfter aber 
abstellt.

Dann lerne ich über diese Liste einen erfahrenen Linuxer kennen, der mir 
anbietet, mich bei dem geplanten Umstieg zu unterstützen. Ich bin 
begeistert, zumal sich rausstellt, dass er wirklich was draufhat und 
sich nicht scheut, für mich die Nächte durchzumachen, bis seine Frau ihm 
die Freundschaft kündigt.

Es wird also Hardware gekauft, um eine Firewall und einen Server 
aufzuziehen. Die beiden rennen inzwischen auch ohne Schwierigkeiten 
(beide Asus P2B-S, einmal PIII-550, einmal Celeron-300, Matrox-Karten, 
SCSI-Platten im Hardware-RAID, Debian Woody ohne GUI).

Spannend wird's mit der Workstation, dem eingangs erwähnten Athlon. Er 
bekommt Debian Sarge mit KDE. KDE läuft höchst instabil, ständig stürzen 
Programme ab, Firefox erzeugt mit 3-4 Instanzen 100 % CPU-Last, mehrfach 
täglich friert der Desktop ein (Musik und Last-Graphen laufen aber 
munter weiter). Das Öffnen des CD-Laufwerks geht nur sporadisch 
(meistens wird kdeeject nicht gefunden), K3b meldet eine fehlende 
Komponente, die laut aptitude in der aktuellsten Version installiert 
ist. Nach dem Abmelden der GUI ist in XDM keine Tastatureingabe mehr 
möglich. Die Maus geht aber noch. So geht's trotz aller Lösungsversuche. 
Solange die Kiste läuft, läuft sie quälend langsam.

Unsere Vermutung: Das Board unterstützt den SD-Speicher nicht richtig 
oder der Speicher ist beschädigt. Also bauen wir heute versuchsweise 
256M DDR-Speicher ein. Da ich allerdings inzwischen so viel Arbeit 
liegenlassen musste, dass ich dringend wieder Photoshop brauche, will 
ich wieder Windows installieren. Versuche mit Wine schlugen fehl, VMWare 
ist ebenfalls keine Lösung wegen der Instabilität der Kiste.

Stand einen knappen Arbeitstag später: Jetzt geht gar nichts mehr. Der 
Rechner bootet überhaupt nicht mehr. Windwos-Setup hat etliche Anläufe 
gebraucht, jetzt bleibt das frisch installierte und noch nicht 
konfigurierte Windows 2000 reproduzierbar beim zweiten Startbildschirm 
hängen. (Mit dem geliehenen DDR-Speicher, wohlgemerkt!)

Der Test meines SD-Speichers durch den Kumpel ergibt, dass der 
tatsächlich fehlerhaft ist. Wenn er das schon länger ist, find ich es 
spannend, wieso Windows XP trotzdem ohne Murren durchlief - auch bei 
maximaler Nutzung des Speichers durch das gleichzeitige Laden etlicher 
großer Bilddateien in Photoshop.

Parallel zum Windows-Setup richten wir einen Thin Client ein, der mir 
dazu dienen soll, Firefox, Thunderbird, Open Office und KOrganizer zur 
Verfügung zu stellen. Die Programme werden auf dem Server ausgeführt, 
der client holt sie sich nur auf seinen Schirm rüber. Es läuft Debian 
Sarge mit Kernel 2.6.8.

Und was glaubt ihr? Kaum ist die Workstation aus, weil wirklich gar nix 
mehr geht, und ich sitze am client zum Surfen, fängt der mit dem 
Schluckauf an. Firefox schmiert ab, Thunderbird verreckt, SIM wird 
mitgerissen, die Kiste friert komplett ein - das alles mehrfach 
innerhalb von zwei Stunden. Der Server rennt seit 7 Tagen ohne Probleme. 
Der thin client ist eine Leihgabe meines Kumpels und lief in genau der 
Hardware-Konfiguration über Monate ohne einen einzigen Aussetzer 
(K6-133, 96M RAM).

Hat jemand eine Idee, woran das liegen könnte?
Hab ich schlechten Strom in der Wand?? Zerstörerisches elektrisches 
Karma in den Fingern???

Bin kurz davor, keinen Computer mehr anzufassen.

Bis bald,
Axel

P.S.:
Mein Fazit aus den wenigen kurzen Phasen, in denen die Worrkstation ohne 
größere Zicken lief und ich mich ein wenig mit KDE beschäftigen konnte: 
Nette GUI. Schön konfigurierbar, ergonomisch, gutes Design. Leider ist 
der Unterbau viel zu umständlich für den Windows-DAU, der ich nun mal 
noch bin. Tadelloses Sicherheitskonzept, aber zu umständlich, um ohne 
massive Umstiegsschwierigkeiten damit zu arbeiten.

Linux mag auf dem Server angekommen sein, auf der (Bildbearbeitungs-) 
Workstation sehe ich es noch lange nicht. Leider.
Received on Wed Dec 29 01:07:25 2004

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