Re: Root over NFS für Normalsterbliche?

Autor: Raphael H. Becker (Raphael.Becker_at_gmx.de)
Datum: 09. Oct 2003


On Thu, Oct 09, 2003 at 02:00:02PM +0200, Sebastian Schaper wrote:
> Wie bekomme ich es hin, daß der Rechner vom Netz bootet und dann wie gewohnt
> das Dateisystem benutzen kann, nur eben nicht lokal, sondern übers LAN? Mit

> Ich habe einige Root-over-NFS-HOWTOS gelesen, bin dadurch aber noch verwirrter
> als vorher. Ich habe aber den Eindruck, daß einige der HOWTOs schon ziemlich
> alt sind. Muß das denn so kompliziert sein? Hat jemand so etwas schonmal
> hinbekommen?

Das Problem gliedert sich in genau 3 Bereiche

1) NFS-Export mit den notwendigen Optionen, damit auch root alles darf

2) der aus meiner Sicht kompliziertere Teil, nämlich Kernel vom Netz
booten (darfs auch eine Floppy Disk sein??)

3) NFS-mount als Kerneloption .. bzw die Parameter in das Kernelimage
einbauen ... oder ... Bootloader-Problematik, bzw auch so Dinge wie IP

zu 1: das nötige wurde gesagt ... NFS-Option no_root_squash, das erstmal
testen.

zu 2: Die Netzwerkkarte muss per BOOTP / TFTP booten können, um
überhaupt erstmal das Kernelimage in den Arbeitsspeicher zu bekommen.

zu 3: ist der Kernel erstmal im Speicher, muss dieser auch wissen, was
er tun soll. Entweder kann man ihm das via Bootloader (zB LILO) sagen,
oder man muss es "einkompilieren".

Ich bin bei Linux nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand, jedoch meine
ich mich zu erinnern, daß man ein Rootfilesystem nicht nur via initrd
nachladen kann, sondern dieses initrd auch gleich mit ins Kernelimage
packen kann. Damit bräuchte man nur noch ein funktionierendes
BOOTP/TFTP.

In dieses initrd kann man dann alle nötige Intelligenz packen, damit das
NFS-Share angebunden wird (mounten) und dieses dann per chroot als neues
root-filesystem zu haben. Wie da sgeht, kann man sich bei Distributionen
ansehen, die sowas auf den Installationmedien machen.

Ich hatte sowas zu Kernel 2.2-Zeiten mal gebaut, jedoch mit
Bootdiskette, die neben einem Bootloader (SYSLINUX oder sowas ...) auch
das Kernelimage hatte. Via Bootloader habe ich dem Kernel alle Optionen
mitgegeben, damit dieser seine IP und die NFS-Geschichten weiss.

Je nachdem, wie viele Eingriffsmöglichkeiten man bei der Installation
seiner Lieblingsdistribution hat, kann man vor dem eigentlichen
Installationsvorgang das vorbereitete NFS-Verzeichnis nach /mnt (oder wo
auch immer die Installation stattfindet) reinmounten. Slackware ist da
recht kooperativ[1] , weil einfach gehalten.

Mal im Archiv dieser Liste hier stöbern, ich glaube ich hatte hier auch
eine Lösung gepostet... ca 2000.

Gruß
Raphael Becker

PS: [1] Was etwas nervig ist: legt man bei Slackware keine Partitionen
an und wählt auch keine bestehenden Partitionen aus, dann "vergisst" as
setup-Tool bei der Installation, daß es ein /etc/fstab anlegen muss, in
dem MINDESTENS /proc gemountet wird. Auf diese Weise wird beim Booten
vom Netz kein /proc gemountet, was zu einem relativen Desaster führt, da
viele Tools in den Bootscripten direkt oder indirekt auf /proc
angewiesen sind. Glücklicherweise kann man diesen Fehler recht
schmerzfrei auf dem Server von Hand korrigieren.

-- 
Raphael Becker                                     http://rhb.uugrn.org/
                            http://schnitzelmitkartoffelsalat.uugrn.org/
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