Re: [Talk] Mobile Computing

Autor: Sebastian Schaper (sebastian_at_schaper-web.de)
Datum: 09. Oct 2003


Hallo Sascha, hallo Liste,

On Donnerstag, 9. Oktober 2003 12:30, Sascha Morr wrote:

> Warum nimmt man nicht einen Server auf dem alle Daten abgelegt sind und
> auch die Programme laufen und bindet daran via LAN/WLAN (später evtl. UMTS)
> einen grafischen Client an?
> [...]

Genau das macht das Linux Terminal Server Project (http://www.lstp.org). Dort
geht es darum, festplattenlose Alt-PCs, Thin Clients oder auch Notebooks
übers Netz booten zu lassen. Die Clients laden ihren Kernel per TFTP und die
benötigten Verzeichnisse per NFS vom Server und starten dann einen lokalen
X-Server. Damit melden sie sich am Server an. Die Programme laufen dann alle
auf dem oder den Servern, und die Daten liegen auch alle dort (bzw. auf einem
zentralen Fileserver).

Für das Booten über's Netz kann man ein Boot-ROM auf der Netzwerkkarte
benutzen (gibt's sowas für Notebooks?) oder eine kleine Diskette, von der nur
wenige KB geladen werden. Neuere Rechner mit PXE werden auch unterstützt.

Als Clients eignet sich in der Tat fast alles ab 386 aufwärts (die
Grafikkarten in diesen alten Kisten sind meistens nicht so leistungsfähig,
deswegen macht das nicht immer Spaß), ab 586 funktioniert's einwandfrei.
Durch die fehlenden Platten sind die Clients leiser und sparsamer und fallen
wegen der wegfallenden Mechanik seltener aus. Die lokale Installation und die
lokale Datenhaltung entfallen komplett, so daß der Benutzer ohne Probleme den
Client wechseln kann, z.B. bei einem Hardwareschaden. Das Einrichten eines
neuen Clients ist eine Frage von ein paar Minuten auf dem Server:
DHCP-Eintrag anlegen, Config-Einträge eines ähnlichen Clients duplizieren und
ggfs. anpassen (Grafikkarte, Maus, etc.), Boot-Diskette passend zur
Netzwerkkarte erstellen, Client davon booten. Wenn die Clients alle die
gleiche Hardware haben, braucht man sogar noch weniger zu tun, weil sie alle
Default-Configs und die gleiche (nicht die selbe ;-) ) Boot-Diskette benutzen
können...

Der Vorteil von LTSP ist, daß alle Clients im Wesentlichen das gleiche
Filesystem auf dem Server benutzen (ein eigenes abgespecktes Root-Verzeichnis
innerhalb der Server-Verzeichnisbaums), das Read-Only gemountet wird. Die für
jeden Client spezifischen Dateien werden beim Start on-the-fly aus einer
Config-Datei erzeugt und in einer Ramdisk auf dem Client gehalten, wo auch
die Dateien abgelegt werden, die schreibbar sein müssen. Man kann die Clients
also auch gefahrlos abschalten, ohne sie herunterzufahren (sofern keine
Applikationen offene Dateien haben...).

Der Server muß natürlich der Anzahl der Clients entsprechend Power
(insbesondere ordentlich RAM) haben, diese kann man dann aber in einem
zentralen Punkt konzentrieren und muß nicht jede Workstation so prall
ausstatten. Dadurch, daß mehrere User das gleiche Programm auf dem selben
Server benutzen, ergeben sich Einspareffekte, da manche Programmteile
geshared werden können und daher nur einmal in den Speicher geladen werden.

IIRC gibt's da auch optionale Pakete für WLAN, das von Dir beschriebene
Szenario mit dem ultra-mobilen Notebook sollte also auch machbar sein.

Viele Grüße,

Sebastian Schaper

PS: IIRC mein erster Post auf dieser Liste. Ich lese hier schon ein paar
Monate mit, aber jetzt nochmal ein "Hallo" an die Runde! ;-)


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