[Talk] Was ist Kopierschutz?

Autor: Michael Lestinsky (michael_at_lestinsky.de)
Datum: 14. Jul 2003


Hallo zusammen,

wenn ich die Novellierung des Urheberschutzgesetzes richtig verstehe, dann
soll in Zukunft die Verwendung oder sogar der Besitz von Software zur
Umgehung des Kopierschutzes verboten sein.

Mir stellt sich nun die Frage, was einen Kopierschutz eigentlich auszeich-
net. Bleiben wir der Einfachheit halber beim Beispiel Audio-CD. Ich habe
mehrere CDs, die angeblich einen Kopierschutz haben, erfolgreich auf dem
Computer einlesen können. Auch das Brennen dieser CDs war kein Problem.
Ich habe für meine Tests absolut keinen Aufwand betrieben, sondern
strikt die Tools verwendent, die ich dazu schon seit langem verwende
(bevor von Kopierschutz je die Rede war): irgendein Unix mit cdda2wav +
cdrecord oder cdrdao, ...

Mir stellt sich nun die Frage, was ein Kopierschutz eigentlich ist. Eine
CD muss auslesbar sein, sonst kann sie auch der "legitime" CD-Player diese
ja nicht lesen. Das Lesen der CD muss also möglich sein, es sollte also kein
Problem sein, dies auch mit einem Stück Software zu tun, die die gelesenen
Daten erst in ein Zwischenspeicher (Festplatte) sichert, bevor sie auf den
DA-Wandler weitergereicht werden. Die CD kann selbst ja nicht unterschei-
den, ob sie gerade meine Stereoanlage oder mein Computer ausliest und so
kann sie auch nicht entscheiden, ob sie sich auslesen lassen will. Rein
technisch unterscheidet sich ja der Auslesevorgang beim Abspielen der CD
in einem CD-Player und beim Anfertigen einer nicht-flüchtigen Kopie nicht.
Wie funktioniert nun also der Kopierschutz und warum merke ich nichts von
selbigem? Ist mein Computer im Sinne der UrhG-Novelle illegal? Oder die
Software, die ich verwende?

Um es mal etwas überspitzt zu formulieren (der gesamte Rest dieses
Artikels):

Oder ist der Kopierschutz für CDs etwa nach folgendem Muster ausgelegt:
Ich schreibe einfach auf die CD drauf, sie sei kopiergeschützt und schon
macht sich jeder strafbar, der die CD kopiert? Auch wenn er (im Sinne des
bisherigen UrhG) legitime Kopien anfertigt? Indem ich also den zahlenden
Kunden (denn gerade der ist ja im Besitz der "kopiergeschützten" CD)
kriminalisiere, hoffe ich an mehr Geld zu kommen? Denn soweit ich das
verstehe, ist dies das einzige Motiv des novellierten Gesetzes: Mammon,
mehr Mammon.

Warum versucht die Unterhaltungsindustrie nicht den Kunden zum Kauf der
Produkte zu bewegen, indem sie einfach _gute_ Produkte anbietet? Ich habe
inzwischen mit einigen Leuten darüber diskutiert und der allgemeine Tenor
war: die Produkte sind es einfach nicht wert gekauft zu werden. Viele
wären gerne bereit sich die CDs zu kaufen, wenn man sie mehr als 3 mal
anhören könnte, bevor einem vor lauter Einheitsgedudel das Essen
hochkommt. Wenn ich als Kunde weis, dass die Haltbarkeit des erworbenen
Produktes im Bereich von Tagen liegt, warum kostet es dann viel mehr als
1L Milch?

Wenn man die Methoden der Unterhaltungsindustrie auf einen anderen Indus-
triezweig abbilden würde, etwa auf die Automobilindustrie, würde das wohl
so aussehen: Weil nicht mehr genug Autos verkauft werden wird das Mitneh-
men von Trampern, Mitfahrzentralen, Fahrradfahren und die Bundesbahn ver-
boten. Wer nicht in einem selbstgekauften Auto von A nach B fährt ist ein
Verbrecher. Ich darf nur das Benzin eines Anbieters tanken und meine Er-
satzteile nur bei Volvo kaufen. Achja, und das Auto gehört auch nicht
wirklich mir, sondern ich habe nur eine Lizenz erworben, mit einer Kopie
von $AUTO von A nach B zu fahren und das Modding des Lizenzgegenstandes
für meine Bedürfnisse (Breitreifen, F*ckfolie, satter Bass) ist ebenfalls
verboten.

Schöne neue Welt.

Bye
Michael

-- 
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"I'm not"
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