Re: Editor für japanische Texte

Autor: Christian Weisgerber (naddy_at_mips.inka.de)
Datum: 02. Jul 2003


Sascha Morr <ml_at_sturmkind.info> wrote:

> Was mache ich wen ich auf einen auf Deutschland lokalisierten
> System einen japanischsprachigen Text verfassen/verändern will?

Locale-Einstellungen gelten nicht für ein System sondern für einen
Prozess. Sie werden vererbt, können aber jederzeit neu gesetzt
werden. Du kannst auf dem »deutschen« System jederzeit parallel
in einer anderssprachigen Umgebung arbeiten.

> Gibt es dafür etwas spezielles zu beachten/spezielle Programme?
> Besonders im Bezug darauf das es in Japan ja nicht nur ein anderes
> sondern zwei Schriftzeichensysteme gibt dürfte das schon etwas
> problematisch sein oder?

Mir ist nicht ganz klar, was du mit zwei Schriftzeichensystemen
meinst. Die japanische Schrift zerfällt in vier Schriften:
- Kanji, aus dem Chinesischen entlehnte Wortsymbole
- Hiragana, Silbenschrift
- Katakana, Silbenschrift
- Romanji, lateinische Schrift
In japanischen Texten werden alle bunt gemischt.

Zeichensatzkodierungen gibt es auch mehr als zwei: EUC-JP,
ISO-2022(-JP), Shift-JIS, ..., UTF-8. Mindestens ein Autor hat
es geschafft, zu diesem Thema ein Buch zu füllen (Ken Lunde,
Understanding Japanese Information Processing).

Wenn du einen japanischen Text redigieren möchtest, dann bietet es
sich an, eine Umgebung und Eingabesysteme einzurichten, wie auch
Japaner sie verwenden. Ich kenne mich mit den Details nicht weiter
aus, aber ich glaube, man gibt dabei Wörter und Sätze in Romanji
oder Kana ein, die dann von einem halbintelligenten Wörterbuch in
Kanji konvertiert werden. Das gibt es, offenbar sehr beliebt, in
Emacs integriert, aber auch als Eingabemethode für X11. Stichwörter:
MULE, Canna, Wnn, kinput2.

Japanische Tastaturen haben einige zusätzliche Tasten. Muhenkan und
Henkan bedienen die Kana-Kanji-Wandlung, eine weitere die Umschaltung
Hiragana/Katakana/Romanji. Das Fehlen dieser Tasten könnte problematisch
sein. Andererseits könnte man die auf modernen PC-Tastaturen üblichen
Windows-Tasten entsprechend umbelegen. Eine vierte japanische Sonder-
taste dient zur Auswahl der Zeichenbreite, aber das dürfte verschmerzbar
sein.

Für Einzelheiten fragst du am besten jemanden, der sich damit
auskennt, z.B. Magnus Pfeffer <magnus.pfeffer_at_epost.de>.

-- 
Christian "naddy" Weisgerber                          naddy_at_mips.inka.de

Dieses Archiv wurde generiert von hypermail 2.1.7 : 02. Jul 2003 CEST