Re: AW: dump/restore und linux

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Autor: Christian Weisgerber (naddy_at_mips.inka.de)
Datum: 19. Jan 2003


Johannes Walch <j.walch_at_nwe.de> wrote:

> Was kann da dann genau passieren ? Können Dateien komplett "verschwinden"
> oder zerstört werden ? Wie wahrscheinlich ist das ?

Es kann Müll im Backup stehen. <Schulterzuck> Schau dir die
Verwaltungsinformationen des betreffenden Dateisystemtyps an, die
Weise wie dump(8) sie abarbeitet, und überlege, was passiert, wenn
sie sich währenddessen ändern: Dateien/Verzeichnisse, die ganz
fehlen, falschen Inhalt haben, ...

Ich kann die Wahrscheinlichkeit nicht quantifizieren und sie hängt
auch von der Aktivität des Dateisystems ab.

Man beachte, dass auch bei Backup-Verfahren, die das Dateisystem
über die normale API mit open(2)/read(2)/usw. auslesen, wie die
Sippe von tar(1)/cpio(1)/pax(1), Fälle von fehlenden oder abgeschnittenen
Dateien auftreten können, wenn das Dateisystem während des Backups
beschrieben wird.

> Gibt es dann in der Praxis einen Unterschied zwischen Linux und anderen
> Unicen im Bezug auf das dump Verhalten.

Nicht, dass ich wüsste. Das Problem als solches ist universell und
bekannt. Linus' dramatisch klingender Beitrag übersteigert seine
Bedeutung allerdings in den Köpfen zu vieler Leute.

Und ja, wenn man ein sauberes Backup fahren will, dann von einem
Snapshot oder nicht schreibbar gemounteten Dateisystem. Auch bei
tar(1) und Konsorten.

> Ich war eigentlich immer ein Fan von dump/restore weil es gegenüber
> tar IMHO einige erhebliche Vorteile in der Praxis hat,

- dump(8) sichert alles, was im Dateisystem vorkommt: alle Devices,
  dünn besetzte Dateien, Fileflags. Je nach Betriebssystem und
  Implementierung hat tar(1) da so seine Probleme.
- dump(8) verändert nicht die atime.
- dump(8) legt einen zentralen Index am Anfang des Archivs an.

> es auf eine Partition beschränkt ist (der korres. tar Parameter
> hat bei mir nie funktioniert)

Damit allerdings machst du dich lächerlich.

> > FreeBSDs dump(8) hat vor kurzem auch ein Option -L bekommen, damit
> > es erst einen Snapshot des fraglichen Dateisystems anlegt und dann
> > diesen sichert.
>
> Wo legt es diesen Snapshot an ? Kann man das festlegen ? Ist die
> Snapshotgrösse = Dateisystemgrösse ?

Snapshots sind ein besonderes Dateisystemfeature, wie es z.B.
FreeBSD 5.0 auf FFS unterstützt. Beim Anlegen eines Snapshots wird
der Zustand des Dateisystems zu diesem Zeitpunkt eingefroren. Der
Snapshot selbst belegt keinen zusätzlichen Platz. Er kann gemountet
werden und steht dann wie ein readonly-Dateisystem zur Verfügung.
Außerhalb des Snapshots kann auf dem Dateisystem ganz normal
weitergearbeitet werden. Werden Dateien gelöscht, dann bleibt ihr
Platz belegt, bis alle Snapshots, in denen sie erfasst sind, wieder
freigegeben worden sind.

-- 
Christian "naddy" Weisgerber                          naddy_at_mips.inka.de

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