Re: PHP, HTML und deutsche Eigentümlichkeiten

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Autor: Markus Demleitner (msdemlei_at_cl.uni-heidelberg.de)
Datum: 02. Oct 2002


On Tue, Oct 01, 2002 at 11:32:49PM +0000, Christian Weisgerber wrote:
> Andreas Fiesser <fiesser_at_gmx.net> wrote:
>
> > bekanntermaßen weigern wir uns ja beharrlich, auf unsere Umlaute
> > völlig zu verzichten.
>
> Ja. Aber hier von »deutschen Eigentümlichkeiten« zu sprechen ist
> schlicht dumm.
>
> Das lateinische Alphabet wurde, wie der Name schon sagt, geschaffen,
> um Latein zu schreiben. Für andere Sprachen ist es nicht wirklich
> geeignet und nur nach Anpassungen und Notlösungen wie Digraphen,
> diakritische Zeichen und zusätzliche Buchstaben verwendbar. Praktisch
> alle Sprachen, die die lateinische Schrift benutzen, modifizieren
> sie. Als Ausnahmen werden neben Latein selbst allgemein nur Englisch
> und Kisuaheli genannt, und für gebildetes Englisch ist das falsch.
> (Ich bin gerade auf Slashdot einem Link zu einem Artikel mit dem
> Titel »Resumé Writing Tips for Technical People« gefolgt.)

Nu, nu, ganz so ist es auch nicht. Schwierig wirds immer, wenn man
verlangt, dass eine 1:1-Beziehung zwischen Phonemen oder gar Phonen und
Graphemen besteht. Das aber gibts ohnehin nicht, jedenfalls nicht mit
lateinischen Alphabeten, was auch kein Problem ist. Die Schweizer etwa
verzichten seit Jahr und Tag auf das scharfe s und kommen trotzdem nicht
mit Masse und Maße durcheinander, von Fällen wie Staubecken (Stau-becken
vs. Staub-ecken) mal ganz zu schweigen. Ich glaube auch, dass kaum
wer jemals ernsthaft Schwierigkeiten mit einer 7-bit-Umschreibung
des Deutschen hatte; das ist vielleicht ein etwas strukturalistisches
Argument, aber es dürfte doch zeigen, dass Deutsch durchaus, und sogar
ohne nennenswerte Umgewöhnung, ohne Umlaute zu schreiben ist.

Sprache ist so redundant, dass das einfach wurscht ist und allenfalls die
Rechtschreibung erleichtert. Die diakritischen Zeichen sind Konvention
und Tradition, und das ist es -- meinst du ernsthaft, das phonetische
System des Englischen sei einfacher als das des Deutschen? Und wer mir
erzählt, der Preis des einfacheren Alphabets sei eben eine kompliziertere
Rechtschreibung, kriegt von mir ins Gesicht gelacht. Allein die Regeln
für Längungsmarker im Deutschen sind eine Travestie (wann steht e,
wann h, wann gar nichts?) Dass which und through Krankheiten sind,
will ich damit nicht bestritten haben.

Nein, wenn die Hüter der Deutschen Orthografie wollten, könnten sie
komplett auf diakritische Zeichen verzichten. Und das gilt natürlich
auch fürs Englische -- der Akzent auf dem e ist hier eine Demo, wie
schlau und gebildet der Autor doch sei. Auch ohne es würde kaum wer
auf die Idee kommen, der Link liege auf einer Aufforderung "Nimm die
Schreibtipps wieder auf".

Unabhängig davon gebe ich zu, dass von nationalen Sonderzeichen ein
erheblicher ästhetischer Reiz ausgeht und dass es wohl schade wäre,
die Umlaute wegen der Rechner aufzugeben. Hat mal wer xterm mit UTF-8
laufen lassen? Ist toll...

         Demi


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