Autor: Johannes Walch (j.walch_at_nwe.de)
Datum: 30. Sep 2002
Hallo Leute,
zum allgemeinen Vergnügen und zur Genugtuung aller open source programmierer
hier mal eine kleine Horrorstory aus dem Bereich Kaufware für Unix/Linux :
Ich betreue bei meiner Arbeit einige viele Firmen im Bereich Network
Security. Da aber der durschnittliche PC Anwender (noch) nicht Linux reif
ist haben die als Workstation Betriebssystem natürlich Windows in
irgendeiner seiner Abarten. Wie auch jeder weiss ist Windows aus
unerklärlichen Gründen :-) für Viren wesentlich anfälliger als ein Unix
System, daher besteht bei vielen Firmen der Bedarf nach einer Anti Virus
Software im Internetpfad.
Da aber Anti-Virus = Kaufware gibt es da leider nur ein einziges Produkt im
Bereich Linux, nämlich Trendmicro Interscan Viruswall. Dieses setzen wir
gezwungenermassen auch recht häufig ein. Insgesamtes Volumen der Lizenzen
entspricht dem Kaufpreis von exotischen Autos der Pferdemarke aus Italien
:-) und davon dann jährlich nochmal 30% für den "Support und Update
Vertrag".
Im Bereich Updates funktioniert dieser Vertrag recht gut der Bereich Support
ist leider ein Totalausfall, aber dazu später mehr.
Schon bei der Installation der Software geht der Ärger los. Man gibt bei der
Bestellung an für SuSE oder Redhat. Andere Distributionen bleiben also
erstmal aussen vor. Das Produkt ist gelinkt (Auf RedHat, SuSE hab ich nicht
probiert) auf die original glibc von RedHat 6.1 oder RedHat 7.0 und zwar
fest. Man muss also entweder eine der beiden Distributionen einsetzen(=nie
wieder irgenein Paket updaten) oder die entsprechenden glibc Dateien per
Hand ins /usr/lib Verzeichniss kopieren (nicht sehr elegant).
Ach ja, das ganze ist natürlich ein Installationsbinary, von RPM oder so
haben die noch nix gehört.
Bei der Installation wird dann auch gleich mal das sendmail rc script
verschoben und durch eine eigene Datei ersetzt. Dass bei jedem sendmail RPM
update diese dann wieder überschrieben wird, daran hat man nicht gedacht.
Im Betrieb setzen sich die Probleme fröhlich fort : Sich selbst löschende
Lizenzen, Pattern Update bleibt hängen und muss von Hand wieder angeworfen
werden und andere unerklärliche Fehler. Die Details kann man gerne bei mir
erfragen.
Soweit halb so schlimm, jede Software hat Fehler. Den Support der ganzen
Sachen übernimmt normalerweise der Distributor, nur nachdem der von unseren
Problemen keines lösen konnte ging es dann direkt an die Support/Technik
Abteilung von Trendmicro.
Diese Leute haben zwar ein etwas erhöhtes technisches Verständniss der
Produkte nur leider sind sie von folgenden Mängeln behaftet :
1. Auf Emails wird etwa alle 4 Wochen geantwortet und zwar erst nach einigen
Drohmails meinerseits.
2. Der User (ich) wird generell erstmal als bescheuert hingestellt (à la
"Haben Sie den Computer eingeschaltet ?")
3. Die Probleme treten angeblich nur bei mir auf. Glaub ich sofort ;-)
4. Man schlägt mir irgendwelche Massnahmen vor, die garantiert das Problem
nicht lösen. Hauptsache mal was gemacht.
5. Nach 12! Monaten ist immer noch keins der Probleme gelöst.
Ach ja, dafür zahlt man 30% des onehin horrenten Kaufpreises jedes Jahr!!!
Ich hoffe das hat Euch mal wieder ein wenig erheitert und zum Programmieren
eines Open Source Virescanners für Internet Gateways motiviert :-).
Gruss an alle,
Johannes
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