Kleiner Erfahrungsbericht Gentoo Linux

Datumsansicht Baumansicht Betreffansicht Attachement-Sicht

From: Alexander Holler (holler_at_ahsoftware.de)
Date: 31. May 2002


Tag beisammen,

auf der Suche nach einem Ersatz für mein etwas angegrautes und durch
zahlreiche Updates und "Fremdprogramme" aktualisiertes SuSE 7.3 bin ich
inzwischen bei Gentoo gelandet.

Gleich vorneweg, Gentoo Linux ist mehr für Hardcore-Linuxer geeignet, da
eine komfortable Einrichtung des Systems wie z.B. durch Yast schlicht fehlt.

Eigentlich wollte ich ja Debian testen, aber nachdem man dort zuerst eine
stable Version installieren soll, diese dann auf eine "unstable" woody
(noch mit Kernel 2.2) upgraden muß und irgendwann wahrscheinlich doch auf
die "testing" sid aufrüstet, bin ich recht schnell davon abgekommen.

Gentoo gefällt mir dagegen sehr gut. Es kommt daher mit einem BSD-Ports
ähnlichem System, das mir allerdings allerdings komfortabler und flexibler
erscheint als z.B. das von FreeBSD (andere kenne ich nicht ;) ). Z.B.
unterstuetzt es die Installation verschiedener Versionen, d.h. man kann
sich KDE 3.0.1, KDE 3.0 und/oder KDE 2.2 installieren. Gleiches gilt für
fast alle anderen Packete.

Da man sich Gentoo normalerweise selbst compiliert, sollte man etwas Zeit
mit sich bringen. Auf einem K6-3 400 hat eine Compilation ca. einen Tag
gedauert, wobei der größte Teil davon für das compilieren von XFree86 4.2.0
und KDE 3.0.1 benutzt wurde. Vorausgesetzt man hat bereits ein laufendes
Linuxsystem und eine freie Partition, kann man das aber bequem nebenher in
einer chroot-Session erledigen, so daß man trotzdem weiterarbeiten kann.

Danach wird man aber durch ein wirklich schnelles Linux-System belohnt,
vorausgesetzt man hat die dem Prozessor entsprechenden Optimierungen des
Compilers (default gcc 2.95.3) benutzt. Laut Berichten soll eine
Compilation mit gcc 3.1 auch schon möglich sein. Da mit diesem allerdings
noch nicht alle Packete fehlerfrei compiliert werden können, ist das noch
nicht Standard. Unterstützung für Intel-Compiler ist auch vorhanden, hier
gilt allerdings das gleiche. Ich selbst habe beides noch nicht getestet.

Nach der Installation gilt es dann zuerst einmal Hand an die verschieden
Konfigurationsdateien zu legen. Da die Dokumentationen auf gentoo.org
wirklich sehr gut sind und einem dieses Schritt für Schritt erklären
(vorausgesetzt man kann englisch) ist das kein Problem. Was (noch) fehlt
ist eine Beschreibung der Anpassungen, die für ein deutsches System
notwendig sind (Eurozeichen usw.), dem habe ich allerdings gleich
abgeholfen indem ich die von mir vorgenommen Schritte in einem
entsprechendem How-To dokumentiert habe. Online ist es allerdings noch
nicht, wer es möchte soll mir einfach eine E-Mail schreiben.

Gentoo basiert größtenteils auf der LSB (Linux Standard Base), d.h jeder
der sich mit Linux einigermaßen auskennt, sollte schnell damit
zurechtkommen. Die Packetauswahl ist sehr groß, gentoo.org gibt 1797
Packete an.
Da das schreiben eigener Installationsanweisungen, bei Gentoo ebuilds
genannt, sehr einfach ist, ist es auch kein Problem dem System schnell neue
Packete beizubringen. Viel mehr als das Eintragen der entsprechenden
normalen Anweisungen (configure, make make install) in eine vorgefertigte
Schablone ist dazu nicht notwendig. Hält man sich daran, wird man das damit
installierte Programm auch wieder mit einem einzigen Befehl los, da bei
Portage (so nennt sich das Ports-System bei Gentoo) die Installation in
einer sandbox abläuft, d.h. alle installierten Dateien werden
mitprotokolliert (ähnlich checkinstall).
Ein Update des gesamte System kann man durch ein einfaches "emerge --update
world" anstoßen, Aktualisierungen einzelner Packete sind natürlich auch
möglich. Weiterhin gibt es die Möglichkeit einmal compilierte Packete
installationsfertig in Archiven zu speichern, was für Administratoren von
mehreren Rechner sicherlich nicht uninteressant ist. Das ermöglicht es
einem auch, ein System für einen langsamen Rechner auf einem schnelleren zu
compilieren.

Insgesamt bin ich wirklich positiv überrascht, nachdem das System
compiliert war, braucht ich etwa noch 3h Konfigurationsarbeit um mein neues
Linux gemäß meinen Wünschen nutzen zu können. Ich fand alle von mir
benötigten Programme in _sehr_ aktuellen Versionen, und bin mir relativ
sicher, daß ich auch zukünftig immer recht schnell aktuelle Packete ohne
viel Arbeit integriert bekomme.
Das fehlen eines Konfigurationsprogrammes wie Yast ist meiner Meinung nach
kein großes Problem, KDE selbst bringt dafür inzwischen recht viel
Unterstützung mit, wer möchte kann auch webmin o.ä. benutzen. Alternativen
für Gnome gibt es sicherlich auch.

Um nicht noch mehr von eurer Lesezeit zu verschwenden, belasse ich es mal
bei obigen Beschreibungen. ;)

Gruß,

Alexander

OT in eigener Sache: Ich bin zur Zeit vacant (Freelancer im Bereich
Softwareentwicklung und Beratung) und beginne gerade verstärkt mit der
Suche nach einem neuen Projekt/Kunden. Wen also jemand einen entsprechenden
Tipp hat, oder evtl. selbst professionelle Unterstützung benötigt, würde
ich mich freuen davon zu hören.


Datumsansicht Baumansicht Betreffansicht Attachement-Sicht

Dieses Archiv wurde generiert von hypermail 2.1.2 : 31. May 2002 CEST