From: Sascha Morr (ml_at_sturmkind.org)
Date: 27. Mar 2002
Was haltet Ihr davon?
> AtheOS plus Linux gleich BeOS
>
> Der Programmierer Bill Hayden hat die grafische Oberfläche des
> Multimediasystems BeOS auf einem Linux-Kernel zum Laufen
> gebracht. Der Anhänger des Open-Source-Betriebssystems
> AtheOS hat dessen Application Server und Interface Kit unter
> dem Namen New AtheOS auf einen 2.4er Linux-Kernel
> aufgesetzt. Ähnlichkeiten der C++-Anwendungsschnittstellen und
> der gleichermaßen konsequente Einsatz von Prozess-Threads bei
> AtheOS und BeOS haben dazu geführt, dass Hayden binnen
> sechs Monaten ein System fertig stellen konnte, auf dem er
> BeOS-Applikationen rekompilieren und ausführen kann.
>
> Ohne auf einen X11-Server zurück zu greifen will Hayden
> zahlreiche BeOS-Programme, darunter den CPU-Monitor Pulse,
> binnen Minuten portiert haben. BeOS-Deskbar und Tracker seien
> schwierige Fälle, räumt er ein, weil diese so ziemlich "jeden
> obsoleten und dämlichen BeOS-Konstrukt verwenden, den es
> gibt". Er sei mit deren Berücksichtigung fast fertig, aber er wolle
> seinen Code erst dann öffentlich zugänglich machen, wenn er diese
> beiden Programme problemlos kompilieren und installieren könne.
> Neben der Kompatibilität mit gcc 3.0 habe ihm besonders die
> Fähigkeit des 2.4er Linux-Kernels zum Node-Monitoring geholfen.
> Im übrigen habe er sich, wo immer er auf Unterschiede zwischen der
> AtheOS- und der BeOS-Denkweise gestoßen sei, zugunsten von
> BeOS entschieden. Hayden nennt das einen "Anti-Port": Wenn ein
> BeOS-Programm nach Kompilierung auf dem neuen System nicht
> läuft, ändert er nicht das Programm, sondern das System-API.
>
> Die AtheOS-Gemeinde dürfte über die Aufspaltung der AtheOS-
> Entwicklungen in einen ursprünglichen und einen neuen Ast nicht nur
> begeistert reagieren: Ziehvater Kurt Skauen, der seit fünf Monaten
> eine schöpferische Pause einlegt, sieht sich als die alleinige Instanz
> zur Freigabe von AtheOS-Patches und -Neuerungen, ist hier aber
> unbeteiligt. Dagegen kann Hayden die Vorteile mehrerer OS-Welten
> vereinen: Die gute Treiber-Versorgung der Linux-Systemumgebung,
> die Unterstützung der beliebten BeOS-Oberfläche und deren
> Implementierung mit Hilfe der ebenfalls offenen AtheOS-
> Komponenten. Immerhin ist der AtheOS Application Server schon
> besser ausgereift als ähnliche Entwicklungen, die zum OpenBeOS-
> Projekt beitragen: Unter AtheOS kann man bereits jetzt einen
> Apache-Webserver mit PHP3- und Perl-Anwendungen betreiben.
> Und zusammen mit dem Linux-Kernel-Tree läuft das ganze jetzt auf
> Wunsch auch auf PowerPC. (hps/c't)
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