Re: [Advocacy] Linux-Hype

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From: Raphael H. Becker (beckerra_at_rumms.uni-mannheim.de)
Date: 11. Sep 2001


Sebastian Stark wrote:
> Raphael H. Becker wrote:
> > Wo ist das Problem, wenn root seine Hardware kennt und den
> Was im PC Sektor in vielen Fällen schwer bis unmöglich ist.

Ich habe noch zu jeder Hardware, die ich in Fingern hatte, durch
eintippen von Chip-Aufdrucken oder Herstellernamen in eine Suchmaschine
rausgefunden, um was es sich dabei handelt oder eine Auswahl, worum es
sich denn handeln koennte. Bei PCI-Hardware muss man nichtmal
aufschrauben, sondern kann sich das auch einfach mit "cat /proc/pci"
oder einfach "lspci" zusammensuchen und ggf dort gefundene
Strings/Bezeichnungen in google hacken, wenn es nicht eh offensichtlich
ist.

Und wenn man ein Stueck Hardware in den Fingern hat, genau weiss was es
ist, aber dennoch Probleme damit hat, kann man auch ueber das
Usenet-Archiv oder einfach durch Mailinglistenarchive suchen. Ueber
jedes problematische Stueck Hardware wurde irgendwann schonmal
gesprochen, gerade die problematische Hardware wird vieldiskutiert.

BTW: Autoprobing von Treibern kann auch sehr nachteilige Folgen haben,
so liess sich ein Netzwerkkartentreiber fuer eine bestimmte
Netzwerkkarte zwar laden und es gab hinterher auch ein eth0, aber der
Treiber hat nichts ausser irgendelchen Interruptproblemen erzeugt ...
d.h. oberflaechlich war alles ok, untendrunter hat's nicht funktioniert
(man konnte diesem "pseudo"-eth0 sogar IP und alles andere zuweisen, nur
Daten liessen sich nicht uebertragen ... das Netzwerksetup war
nachweislich korrekt).
 
Oder wenn eine Netzwerkkarte abwaertskompatibel ist zu einem aelteren
Modell, beim Autoprobing ein alter Treiber geladen wird ohne zB die
TX-Unterstuetzung (also nur 10Mbit statt der erhofften 100MBit), dann
ist das auch eher suboptimal. Hatte ich grade zur letzten Installparty
mit meinem Vorfuehrrechner und der SuSE 7.1 erlebt, wo meine Dlink
500TX, die ich seit bereits 1998 fehlerfrei mit dem Tulip-Treiber fuer
"DECchip 21140" verwende (100MBit natuerlich) nur als kompatible
10MBit-Karte gefunden wurde und ich von Hand im System nachtraeglich
rumfuhrwerken musste (/etc/modules.conf von Hand editieren), die
Installation musste ich mangels Eingriffsmoeglichkeit komplett in 10MBit
machen ...

Aehnliches gilt fuer moderne Grafikkarten, die man entweder beschleunigt
(accelerated) im X11 unterstuetzt bekommt oder nur als SVGA-kompatibel
.. letzteres mit teilweise erheblich schlechterer Qualitaet ... wenn
ueberhaupt.

Das sind dann die Stellen, wo es dann bspw. heisst "Linux ist sche*sse,
unter Windows ist alles schneller" oder "SuSE ist sche*sse, RedHat ist
schneller".

Will sagen, auch eine hochgezuechtete Distribution wui die SuSE 7.1 ist
keine Garantie dafuer, dass man selbst mit lang erprobter Hardware (die
btw unter SuSE 6.1 fehlerfrei ge-autoprobe-t wurde) auf Anhieb
fehlerfrei arbeiten kann.

Ohne ein Mindestmass an Kenntnissen ueber Kernelmodule, Kerneltools
(modprobe/insmod/lsmod/rmmod) kommt man nicht aus. Und genau das ist es
aber, was "moderne" Distributionen versuchen zu suggerieren und genau
das ist es, was ansich ungeeignete Leuten dazu verfuehrt, Linux zu
installieren.
An solchen (eigentlich banalen Problemen) trennt sich die Spreu vom
Weizen. Die einen kennen /etc/modules.conf, die anderen installieren
sich RedHat von einer anderen Heft-CD, die letzten Monat dabei war und
im Extremfall fuehrt das zu "fuers Internet boote ich SuSE, da geht mein
Modem, fuer mp3 hoeren lieber RedHat, wegen der Soundkarte" oder
aehnlichen Kuriositaeten.

Erschwerend kommt da noch hinzu, dass die typischen Kandidaten fuer
"Linux von Heft-CD ohne Handbuch" typischerweise irgendwelche
Multimedia-Hardware besitzen, fuer die es dann zB noch keine
X11-Unterstuetzung gibt ... oder Winmodems, GDI-Drucker, USB-Tastaturen
(inzwischen soll das ja problemlos sein), USB-Ethernet, ... jeder kennt
den Hardware-Zoo, den man heute bei "wir sind doch nicht bloed" oder bei
Aldi kaufen kann. Oder so lo-cost-uebliche Geschichten wie
"Parallelportscanner", "Parallelport-ZIP-Drive" ... (wobei das alles
irgendwie funktioniert, wenn man weiss wie).

Die Zeit, die man beim Lesen des Handbuchs einspart, verliert man
hinterher vielfach durch Neuinstallationen, den Nutzen von Linux mag da
jeder selbst suchen.

BTW: Vor Hardware-Neukauf sollte man sich unbedingt informieren, ob
dafuer Linux-Unterstuetzung vorhanden ist, das gilt insbesondere fuer
Drucker, Grafikkarten, interne MOdems (Winmodems), PCMCIA-Karten aller
Art, USB-Devices und alles, was man heute so an "komischen"
Peripheriegeraeten kaufen kann.

Schoenen Gruss
Raphael Becker

PS: Zum anclicken (ich will ja auch was konstruktives beitragen und
nicht nur schimpfen (-:

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t(){ while [ -n "$1" ];do T=/tmp/$$.html;lynx -source "http://dict.leo.\
org/?search=$1"|grep search\ result >$T&&w3m -dump $T;rm $T;shift;done;}
[ -n "$1" ]&&t "$@"||while read -ep dict2\> W;do t $W|more; done #by rhb
# http://rhb.swm.uni-mannheim.de/scripts/dict2


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