Re: [Advocacy] Linux-Hype

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From: Raphael H. Becker (beckerra_at_rumms.uni-mannheim.de)
Date: 10. Sep 2001


Alexander Holler wrote:
> <beckerra_at_rumms.uni-mannheim.de> wrote:
> > (BTW: Ich hasse TOFU)
> TOFU?

Text oben, fullquote unten

Die weit verbreitete Unart besonders von Outlook-Express-Usern, zitierten Text komplett
("Fullquote)" unten anzuhaengen und oberhalb zu antworten ("Text"). Es macht gerade auf
Mailinglisten und in Newsgroup den Diskussionsfaden unleserlich.

> > damit ohnehin scheitern. Solche Leute haben in der Regel nur wenig bis
> > gar kein Verstaendnis von Rechnern oder der Funktionsweise eines
> > Betriebssstems und solche Leute werden versuchen ihre Probleme mit Hilfe
> > von Computern zu loesen, schaffen sich dadurch aber neue Probleme in
> > unabschaetzbaren Dimensionen.
> Laßen wir mal die Leute mit wenig Ahnung außen vor, denen ist mit einem

Es geht aber gerade um diese. Es geht um den typischen PC-User, der taegliche Probleme hat, meist
aufgrund schlechter Software und eigener Unwissenheit. Es geht mir nicht um Leute, die ansonsten
anspruchsvoll mit ihrem Rechner arbeiten und (egal ob Win oder Linux) ein Spezialproblem haben, was
man im Einzelfall genauer untersuchen muesste.

> Webpad o.ä. eh am besten geholfen. Ich denke auch, der Markt wird sich in
> diese Richtung noch stark entwickeln, playstation 2 usw. ist nur ein Anfang
> davon.

Ja, aber um diese Leute geht es hier nicht. Du denkst eher an die Spielkinder.
 
> Aber in der Windowswelt hat man viele Probleme durch eine Neuinstallation
> wesentlich schneller behoben, als durch eine Suche durch den dll-dschungel
> bzw. defekter Registry.

Dann frage ich mich, was bei Linux da besser waere? versehntlich geloeschte Systembibliotheken,
unvollstaendige/defekte Upgrades ... schrottige DLLs oder kaputtkonfigurierte shared libraries,
irgendwie ist beides Mist.

> Problem ist allerdings, daß das bei einer
> (aus-)gewachsenen Serverinstallation nicht mehr so schnell geschehen ist.

Du redest von Windows? Server mit User?

> Und das noch größere Problem ist, daß viele Information die man unter
> Windows zur Fehlersuche und -behebung bräuchte, nur schwer oder gar nicht
> zu bekommen sind.

Der typische "Problemuser" wuerde auch bei Linux mit eben jenen Informationen nichts anfangen
koennen.
 
> > Windows und Linux sind eigentlich _nicht_ vergleichbar, aber die Art und
> > Weise, wie manche Leute versuchen ihre Probleme zu loesen, die wird
> > immer aehnlicher und das ist nicht zuletzt Folge des Hypes, den es seit
> > einiger Zeit gibt.
> Naja, dem kann ich eigentlich so nicht zustimmen. Wieso kann man diese
> beiden nicht miteinander vergleichen? Beide können dem selben Zweck dienen.

Hilflose User sind bei beiden System gleich aufgeschmissen. Das sehe ich allerdings nicht als den
primaeren Zweck eines Betriebssystems (also Linux/Unix) :-)

> Lediglich im Bereich Multiuser (d.h. mehrere User _gleichzeitig_) ist das
> etwas schwer, aber das ist eh ein ganz eigenes Segment in dem Windows noch
> nicht viel und nicht lange was zu bieten hat.

Darum gehts nicht. Die Leute, von denen ich rede haben 1, maximal 2 PCs, seltener ein Netzwerk, es
existiert (falls Linux) wenn ueberhaupt 1 (in Worten: "ein") User neben root (*sigh*) und im
KDE-Login ist vielleicht noch auto-login eingeschaltet. Wobei ich niemandem zu nahe treten will, der
nur einen PC hat. Wollte damit nur sagen, dass die "Problemuser" sicher wenige Vorteile durch einen
echten Multi-Userbetrieb haben wuerden.

Leute, von denn ich rede, installieren im Schnitt 4mal pro Jahr Windows neu (die Fortgeschrittenen
haben eine frische Installation als Partitionsbackup und buegeln das dann drueber), stecken alle
Heft-CDs in Ihr CD-ROM Laufwerk, installieren jede Testversion (und suchen bei Gefallen nach
s3r1alz), haben eine eine bunte Personal Firewall und entdecken zufaellig auf einer Heft-CD eine
Evaluations-Version einer Linux-Distribution. Natuerlich ist da kein Handbuch dabei (weil man ist ja
faul und sucht nicht das handbuch.pdf und ueberhaupt, nur Loser schauen ins Handbuch) und irgendwie
schaffen die es dann, diese Testversion zu installieren.

Und dann wird ueber das "scheiss Linux" geflucht, weil die 4d-Soundkarte oder die 5d-Grafikkarte
nicht automagisch erkannt werden. Leider ist so ein Unix geringfuegig aufwendiger zu administrieren
wie ein Tarmagotchi ("fuetter mich, spiel mit mir, putz mir die Scheisse weg ... peeeeeeeeeep") und
entsprechend hoeher sind die Anforderung an das Koennen des Admins bzw an seine Bereitschaft die
Doku zu lesen.

Ich erwarte von _KEINEM_ Anfaenger, dass er alles weiss, ich selbst kann mich noch selbst gut dran
erinnern, wie ich hilflos vor der Kiste gesessen habe und die 1623. Frage nach "connect lost inode
#9812348 to /lost+found? [y/n]" mit Reset+Neuinstallation beantwortet habe. Aber ich erwarte einfach
ein gewisses Mass an Bereitschaft, sich in ein anderes System einzudenken, als man es von
Windows/DOS gewohnt ist.

Wo war doch bitte der Vorteil von Linux? Wie war das doch gleich, das richtige OS fuer das passende
Problem und die passende Zielgruppe?

Wer von sich aus auf die Idee kommt "He, mein Problem ist mit Windows nur schwer zu loesen, mal
sehen, ob ich da mit Linux was hinkriege, mal installieren", der hat alle Achtung von mir und ich
helfe gerne ueber Startschwierigkeiten hinweg. Habe aber kein Bock mir sagen zu lassen "aber meine
Soundkarte geht immernoch nicht, Linux ist scheisse", wenn ich mich grade darum bemueht habe,
jemandem bei der Konfiguration seines Routers zu helfen (nur mal als Beispiel).

Das alles impliziert, dass Linux-Missionnierung das allerletzte ist, was ich gebrauchen kann und
irgendwie gut finden kann, um mal wieder auf den Punkt zu kommen. Entwender jemand kommt da von
selbst drauf oder er laesst es bleiben. Punkt.

Gruss
Raphael "das musste alles mal gesagt werden" Becker

PS: Ich entschuldige mich mehrfach fuer die unmaskierte VerwenDUNG des Wortest "Sche*sse", aber bei
diesem DAUerthema muss hin und wieder einfach mal Klartext gesprochen werden.

> > PPS: Ich habe an vielen Stellen implizit oder explizit "Linux" mit
> > "Windows" verglichen. Linux ist nur ein Kernel, waehrend Windows eine
> Ja, klar, anstatt Linux kann man auch Linux/gnu oder Unix schreiben, wäre
> in dieser Diskussion evtl. sinnvoller, aber wir wissen ja alle was gemeint
> ist und wollen uns nicht noch mit Wortspielereien das Leben schwer machen ;)

Ich wollte nur einem "Linux ist nur der Kernel ... blah"-Thread vorbeugen.

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t(){ while [ -n "$1" ];do T=/tmp/$$.html;lynx -source "http://dict.leo.\
org/?search=$1"|grep search\ result >$T&&w3m -dump $T;rm $T;shift;done;}
[ -n "$1" ]&&t "$@"||while read -ep dict2\> W;do t $W|more; done #by rhb
# http://rhb.swm.uni-mannheim.de/scripts/dict2


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