Re: Mal was anderes als ein PC?

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From: Christian Weisgerber (naddy_at_mips.inka.de)
Date: 04. Feb 2001


Raphael H. Becker <beckerra_at_rumms.uni-mannheim.de> wrote:

> mir geht schon laenger die Frage im Kopf um, ob ich nicht mal, so zum
> Testen/Spielen, was anderes als einen PC holen sollte.

PC? Pissy? Was ist das? Habe ich sowas? Ach, mein (Ersatz)router.

> a) bezahlbar
> b) mehr als nur eine Tischheizung (sprich: sollte sich wenigstens wie
> ein schneller 486 anfuehlen, damit man noch _irgendwas_ darauf machen
> kann).

Neue Workstations fangen in Leistung und Preis etwa in der Gegend
an, wo PCs aufhören. Das war schon immer so. Durch das exponentielle
Wachstum der Rechenleistung werden die vorherigen Modelle natürlich
schnell von PCs ein- und überholt. Der Preisverfall kann da nicht
ganz mithalten. Der Markt ist viel kleiner, und die Geräte sind
einigermaßen darauf ausgelegt zu funktionieren, während der PC-
Massenmarkt allein auf Billigkeit ausgelegt ist. Es gibt nichts,
was im Preis-/Leistungsverhältnis (so die angebotene Leistung
befriedigt) mit PCs mithalten kann.

Dazu kommt, dass die Preise in Europa im Vergleich zu Nordamerika
deutlich höher liegen. Allerdings summieren sich Versandkosten,
Zoll, Überweisungskosten u.ä. ganz ordentlich, wenn man etwas aus
Nordamerika erwirbt - wobei die meisten Verkäufer nicht willens
sind, sich mit einem Versand nach Übersee herumzuschlagen.

> Welche Architekturen gibt es da so?

Schon mal bei NetBSD vorbeigeschaut? Die Liste der Plattformen
zählt mittlerweile 33 Einträge, und es gibt noch einige weitere,
auf denen NetBSD noch nicht läuft.

Es gibt viele. Und bisweilen verbergen sich ganze Familien dahinter.

> Was will man haben, was nicht?

Ah. Gute Frage. Was »man« will, ist schwer zu sagen. Es gibt Leute,
die begeistern sich für Maschinen, die ich nicht geschenkt nehmen
würde.

Aus meiner Sicht will man etwas, das einigermaßen verbreitet ist.
Seltene Maschinen kriegt man erst gar nicht, und wenn, dann muss
man die ganze Arbeit selbst machen. Und man will etwas, das nicht
zu langsam ist.

Einige populäre Maschinen, die ich als zu langsam betrachte:
- alles Motorola 68k-basierte (Sun 3, HP9000/300 und 400,
  Macintosh 68k, Amiga, NeXT, usw.)
- MIPS-basierte DECstation
- MicroVAX, VAXstation

http://hpwww.epfl.ch/bench/SPEC.html
bietet eine Liste der SPECmark92- und SPECmark95-Ergebnisse. Intel-
PCs sind auch dabei, womit man sich eine gewisse Orientierung
verschaffen kann, wieviel Rechenleistung diverse Maschinen etwa
haben.

Was man haben wollen könnte:
- Alpha
- Sun SPARC und UltraSPARC
- Apple PowerPC
- HP9000/700
- SGI

Letztere beide sind im Gebrauchtmarkt zwar gut vertreten, aber die
Betriebssystemsituation sieht ganz mager aus.

Manche Leute mögen den Gedanken an einen Macintosh schrecklich
finden, aber PowerPC-basierte Macs sind durchaus attraktiv, auch
aktuelle Modelle.

Alpha und Sparc sind beides umfangreiche Familien.

Einen ganz guten Überblick über die Alpha-Familie gibt FreeBSDs
HARDWARE.TXT, auch wenn einige Modelle, auf denen FreeBSD nicht
läuft, nicht weiter beschrieben werden. Die aktuelle Version dieses
Dokuments zieht man am besten aus dem CVS-Repository, z.B. mit
CVSweb hier dem Link der Revisionsnummer folgen:

http://grappa.unix-ag.uni-kl.de/cgi-bin/cvsweb/src/release/texts/alpha/?cvsroot=freebsd

Für ältere Sun-Maschinen gibt es eine umfangreiche und eine sehr
umfangreiche FAQ, dazu noch eine spezielle für Framebuffer
(PC-Sprachgebrauch: Grafikkarten):

Frequently Asked Questions About Buying an Old (Used) Sun System
http://faqaboss.sunhelp.org/

Sun Hardware Reference
http://sun-ref.sunhelp.org/

Frame Buffer FAQ
http://www.sunhelp.org/faq/FrameBuffer.html

Leider kenne ich keine entsprechende Übersicht, die auch schon
UltraSPARCs einschließt, deren unteres Ende allmählich auch
interessant wird.

> Gibt es Webseiten, die man zu diesem Thema unbedingt kennen sollte?

Ohja. Inbesondere möchte man sich die Angaben der unterstützten
Hardware von der Linux/BSD-Distribution, die man installieren
möchte, ganz genau ansehen. Die kürzlich erfolgte Ankündigung von
Slackware/alpha hat sich z.B. bei genauerem Hinsehen als ziemlich
uninteressant erwiesen, weil die Liste der unterstützten Maschinen
minimal ist. Ich habe vorhin gerade jemanden woanders darauf
hingewiesen, dass er Mandrake 7.0 nicht auf seiner SPARCstation 5
installieren kann, weil das keine UltraSPARC ist. Und so weiter.

Wer Linux installieren möchte, sollte beachten, dass zwischen
Pressemeldungen »Linux auf Architektur XY portiert!« (= ein Kernel-
schrauber hat ein Unikatsystem teilweise laufen) und der Verfügbarkeit
einer brauchbaren Distribution eine gehörige Lücke klafft.

Es kann übrigens auch nicht schaden, bei Kaufüberlegungen ganz
konkret hier nachzufragen.

-- 
Christian "naddy" Weisgerber                          naddy_at_mips.inka.de


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