From: Christian Weisgerber (naddy_at_mips.inka.de)
Date: 03. May 2000
Bernhard Heger <hegs_at_dusnet.de> wrote:
> Leider steht Strg+S wohl irgendwie für Stop, zumindest ist das
> entsprechende xterm dann blockiert, nimmt also keine Eingaben mehr
> an.
Die TTY-Discipline kennt eine ganze Reihe von Steuerzeichen, bei
deren Eingabe verschiedene Aktionen ausgelöst werden bzw. in
Abhängigkeit einer Reihe von Flags ausgelöst werden können.
Mit »stty -a« (bei BSD leserlicher formatiert auch »stty -e«) kann
man die aktuelle Konfiguration des TTY, auf dem man sich gerade
befindet, abrufen. Typischerweise ist dort ^S als »stop« gesetzt,
also als Steuerzeichen zum Anhalten der Ausgabe. Es ist ebenfalls
weithin gängig, obwohl auf virtuellen Konsolen und Pseudo-TTYs
ziemlich sinnlos, dass bei den Eingabeflags »ixon« gesetzt ist
(führender »-« bei der Ausgabe von stty(1) bedeutet gelöscht, sonst
gesetzt), also die Steuerzeichen »stop«/»start« zum Anhalten/
Wiederaufnehmen der Ausgabe ausgewertet werden. Entsprechend macht
die Eingabe des »start«-Zeichens, typischerweise ^Q, ein vorheriges
Anhalten der Ausgabe rückgängig.
TTY steht für Teletype (Fernschreiber). Ursprünglich waren auf
Unix-Systemen über serielle Schnittstellen angeschlossene fern-
schreiberähnliche Druckterminals die Ein-/Ausgabegeräte für den
Benutzer. Diese Schnittstelle wurde später abstrahiert. Pseudo-TTYs
werden überall dort eingesetzt, wo unter Kontrolle eines Serverprogramms
ein TTY emuliert wird: bei Zugängen übers Netz (telnet, rlogin,
slogin), Terminalemulatoren (xterm, screen), u.a. (script). Auch
die bei Arbeitsplatzrechnern integrierten Konsolen und ihre virtuelle
Variante emulieren erst einmal ein über eine serielle Schnittstelle
angebundenes Videoterminal und sind über ein TTY ins System
eingebunden.
Die universelle Verwendung der TTY-Schnittstelle zur Benutzeranbindung
hat Vor- und Nachteile. Über letztere wird Frank Klemm nicht müde
zu referieren, das TTY-Modell hat gewisse Einschränkungen und Eigen-
tümlichkeiten für moderne Konsolen oder Terminalemulatoren in
Fenstersystemen. Der große Vorteil ist die Einheitlichkeit, die es
denselben Applikationen erlaubt über dieselbe Programmierschnittstelle
mit so verschiedenen Dingen wie einem seriell angeschlossenen
Videoterminal, einer Konsole, oder einem xterm zusammenzuarbeiten.
-- Christian "naddy" Weisgerber naddy_at_mips.inka.de
Dieses Archiv wurde generiert von hypermail 2.1.2 : 11. Mar 2002 CET