From: Thimo Neubauer (tneubaue_at_ix.urz.uni-heidelberg.de)
Date: 21. Mar 2000
On Sat, Mar 18, 2000 at 06:25:17PM +0100, Carsten Alexander wrote:
> [...]
>
> also nochmal in Kürze. Beispiel Benachrichtigungsdienst...
> ich möchte einfach bald in der Lage sein, ohne MAPI oder so'n
> proprietäres Zeugs einen Server zu programmieren, der reines SMPT
> fährt. Die Administration soll über HTTP laufen. Der Prototyp wird
> noch mit VisualBasic programmiert, aber über TCP/IP-Sockets. Mein
> Problem mit C++ ist bisher folgendes, daß ich noch an einer
> ANSI-Objektbibliothek arbeitet (also Klassen für Textverarbeitung,
> RSA-Verschlüssellung, Dateizugriff, Netzwerk, usw. usf.) Ich habe
> zwar 'ne OpenSource-C-Funktionsbibliothek gefunden
> (http://www.imatix.com/html/sfl/index.htm) ... aber diese in C und
> nicht in C++. Ich finde dort jedoch viele Anregungungen... ;-)
>
> [...]
>
> Open-Source finde ich cool! oder zumindest Open-Licence. Mein neuer
> Arbeitgeber ist dem Open-Licence-Konzept nicht abgeneigt. Aber
> ehrlich gesagt, habe ich mit beiden Konzepte noch nicht en detail
> auseinander gesetzt. Werd' ich demnächst mal nachholen (btw noch
> andere tips ausser http://www.opensource.org/ ?)
Ich wollte als Debian-Maintainer dann doch noch etwas zu den Lizenzen
sagen (natürlich ;-). Mir ist nämlich folgendes aufgefallen: Du
sprichst davon, daß Du Dich von einer OpenSource-Bibliothek anregen
läßt und dann davon, daß Dein Arbeitgeber den Lizenzen "nicht
abgeneigt" ist. Jetzt möchte ich nicht zu sehr mit Lizenzen
langweilen, aber dieser Punkt ist mir wichtig, denn "cool" alleine
reicht nicht:
Du solltest Dir die Bestimmungen der Software, von der Du Routinen
übernimmst genau durchlesen. Wenn es sich nämlich z.B. um GPL (Gnu
General Public License), Artistic License (die von Perl) oder etwas
die BSD-Lizenz handelt, mußt Du diese Lizenzen in Deine Software
übernehmen! Es können aber auch ganz andere freie Lizenzen auf der
Software liegen, da hilft nur genaues Lesen. Dieser Punkt ist deshalb
wichtig, weil Dein Arbeitgeber, solltest Du Code aus
OpenSource-Quellen entnehmen, gar keine andere Wahl hat, als das
entstehende Produkt unter eine OpenSource-Lizenz zu stellen! Wie weit
Inspiration zählt, kann ich Dir nicht genau sagen, ich weiß nur, daß,
wenn man ein kommerzielles Produkt klonen will, nachweisen muß, daß
keiner der am Programm Beteiligten Zugriff auf die Originalsoftware
gehabt hat, auch wenn die Sourcen generell zur Verfügung stehen. Das
Ganze ist dann eine sogenannte "Cleanroom Implementation", die z.B. zu
Mesa, Lesstif, GnuPG und diversen Java-Compilern geführt haben.
Was meinst Du übrigends mit "Open-Licence"? Davon habe ich noch nicht
gehört, weshalb Du das noch erklären müsstest.
Daneben gibt es dann noch Software, die man für frei hält, die es aber
nicht sind, da muß man mit höchster Wahrscheinlichkeit für die
Benutzung blechen. Als Beispiel mag PGP dienen: der Sourcecode ist
bekanntlich als Buch erhältlich, die Benutzung ist aber im Allgemeinen
beschränkt (siehe Ende Deiner Mail):
> -----BEGIN PGP SIGNATURE-----
> Version: PGPfreeware 6.5.1 Int. for non-commercial use
> <http://www.pgpinternational.com>
>
> iQA/AwUBONOtKe85PHLagcjxEQLYBwCg0vDfdShfSbg96evDcRIaMTnrDXQAn0Ec
> gUlcg7V5AvLtorc3dJMW70iv
> =QQfh
> -----END PGP SIGNATURE-----
Den Begriff "PGPFreeware" finde ich zusammen mit dem Rest der Zeile
ziemlich euphemistisch, aber das ist jetzt nicht so
wichtig. Jedenfalls dürftest Du PGP in Deiner Software nicht
verwenden, ohne dafür zu bezahlen.
Über Shareware (also Crippleware) brauchen wir an dieser Stelle gar
nicht erst zu reden...
Das Original der OpenSource-Bestimmungen sind übrigends die "Debian
Free Software Guidelines" (auch auf deutsch unter
http://www.debian.org/social_contract nachzulesen). Die Gründer der
OpenSource-Bewegung sind/waren nämlich Debian-Maintainer.
So, genug gelangweilt :-)
MfG
Thimo
-- Thimo Neubauer <thimo_at_debian.org> Debian GNU/Linux 2.2 frozen! See http://www.debian.org/ for details
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